Tito Tettamanti ist Financier. Er lebt im Tessin. © Andreas Meier/Reuters

Auch Gute können Böse werden. Das weiß auch der Staatsanwalt der sizilianischen Stadt Catania. Er will darum herausfinden, ob Nichtregierungsorganisationen mithalfen, Migranten nach Italien zu schleppen. Telefongespräche aus Libyen, verdächtige Leuchtsignale und Rettungsschiffe, die zeitgleich mit Migrantenbooten auftauchen, sind ihm suspekt.

Frontex, die europäische Agentur für Grenz- und Küstenwache, machte ähnliche Beobachtungen. Und auch das Schengen-Komitee des italienischen Parlaments ist überzeugt, dass private Organisationen Menschen bei der Überfahrt nach Europa helfen – auch solchen, die nicht vor Krieg oder Verfolgung flüchten.

Hinter der Migration aus Afrika gibt es ein Netz von finsteren Interessen. Nicht nur die Schlepper profitieren (und machen mehrere Milliarden Umsatz jährlich), viele Flüchtlinge werden in Europa ausgebeutet.

Ich verstehe jeden, der mit Männern, Frauen und Kindern mitfühlt, die ihre Heimat verlassen und Hunderte von Kilometern reisen in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch Gutherzigkeit wird oft ausgenutzt. Naivität darf uns nicht blind machen. Ein Großteil der Migranten taucht nach ihrer Ankunft in Europa unter. Ohne Aufenthaltsbewilligung können sie keine legale Arbeit ausüben. Also schuften sie in den Feldern von Süditalien unter skandalösen Bedingungen und hausen nachts in unwürdigen Zeltlagern. Viele fahren weiter nordwärts, beginnen mit Drogen zu handeln, landen in der Prostitution oder anderen kriminellen Tätigkeiten. Im schlimmsten Fall planen sie einen terroristischen Anschlag.

Hinzu kommt: In Italien werden kleine Hotels geschlossen, um daraus Flüchtlingsunterkünfte zu machen. Die Präfektur von Como hat eine Ausschreibung durchgeführt, um Coiffeure und Waschservices für 2.000 Migranten zu eröffnen. Gibt es unter den Zuwanderern keinen, der die Haare schneidet? Kann niemand waschen und bügeln? Interesse an diesen Dienstleistungen haben nicht in erster Linie die Einwanderer, sondern italienische Firmen, die in zwei Jahren 59 Millionen Euro kassieren werden.

Ein Schlepper ist neulich in Basel verurteilt worden: Mit einem Kleinbus für acht Personen durchquerte er die Schweiz nach Deutschland oder Frankreich. Für jeden illegalen Passagier kassierte er 150 Euro, also 1.200 Euro pro Fahrt. Kein schlechtes Geschäft.

Die Tessiner Großrätin, die Minderjährigen half, illegal über die Grenze in die Schweiz zu reisen, handelte hingegen bestimmt aus Barmherzigkeit. Nur hat sie vergessen, dass sie mit ihrer Tat den Schleppern weitere Kunden besorgte.

Wer nicht nachdenkt, bevor er handelt, hilft Menschenhändlern und kriminellen Organisationen und unterstützt die Ausbeutung von modernen Sklaven. Migranten ohne Aufenthaltsbewilligung, die im Untergrund und in der Illegalität leben, werden leicht Opfer von Missbräuchen und Erpressungen.

Gute Absichten führen nicht immer zu lobenswerten Ergebnissen.