Auch wenn die Elbphilharmonie immer noch reichlich Stoff für kontroverse Debatten liefert (über Akustik, Toilettenanzahl und Treppenlänge), dürfte das Programm für die neue Spielzeit keinen größeren Streit provozieren. Schon das Eröffnungskonzert mit dem NDR Orchester deutet an, was Intendant Christoph Lieben-Seutter vorhat: Zur Opening Night am 1. September erklingen Beethovens 4. Sinfonie und der gesamte Egmont. Zwei Tage später begleitet Jean-Guihen Queyras eine moderne Tanzperformance mit Bachs Cello-Suiten. Der Plan ist, das Publikum mit einem Mix aus Tradition und Experiment spartenübergreifend zu überraschen.

Kann das gut gehen? Und wie! Auf Hamburg wartet ein exzellentes Konzertjahr mit einer Mischung aus Hochkultur und Unterhaltung, Kinderprogramm und Nischen-Repertoire, Jazz und Exotik. Highlights gibt es genug: Die großen internationalen Spitzenorchester werden Hamburg besuchen, das Cleveland Orchestra aus den USA, das Concertgebouw Orchestra aus den Niederlanden oder das London Symphony Orchestra (erstmals mit Sir Simon Rattle). Und auch ihre deutschen Pendants werden in Hamburg aufspielen, gerade die aus München: Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit Mariss Jansons kommt, die Münchner Philharmoniker mit Waleri Gergijew und das Bayerische Staatsorchester mit Kirill Petrenko. Das ist, kurz gesagt, Hamburgs lang erhoffter Aufstieg in die Champions League der internationalen Klassikszene.

Intendant Lieben-Seutter deutete auf der Pressekonferenz am Montag an, dass er nicht lange verhandeln müsse, um seine Wunschorchester ins Haus zu holen. Das klingt eitel und ist doch glaubwürdig. Im Programm wird nämlich deutlich, dass die Aura des Großen Konzertsaals nicht nur die Besten der Klassikszene anzieht, sondern auch die Kollegen aus dem Pop: etwa Matt Berninger, der zugesagt hat, am 21. Oktober die Elphi mit ihren 2.100 Sitzplätzen zu bespielen. Normalerweise füllt der Frontmann der Band The National ganze Stadien.

Bei so einem Programm lassen sich die Zuschauer von den teilweise despektierlichen Berichten zur Akustik nicht stören (der Vorwurf: der Saal sei zu matt und halle nicht nach). In den vier Monaten seit der Eröffnung kamen 480.000 Zuhörer. In der nächsten Spielzeit will man die 1-Million-Marke knacken. Das ist nur folgerichtig, zeigt aber, wo das größte Problem des Hauses in den nächsten Monaten liegen wird: Wie lässt sich der Andrang bewältigen? Wie kann man die Abos fair verteilen, wenn doch so viele wichtige Interessengruppen gegeneinander antreten: die Sponsoren, das Hamburger Konzertpublikum, internationale Klassik-Fans und die wachsende Zahl an Hamburg-Touristen?

Eine faire Lösung wird es nicht geben. Aber zumindest will man die Abo-Entscheidung nicht mehr überhitzten Computer-Servern überlassen, die bislang nach dem first come, first served-Prinzip die Zusagen verteilten. Jeder kann sich bewerben, geplant ist eine Verlosung im Sommer.

Das Zufallsprinzip hat Sinn, geht es den meisten Interessenten ohnehin mehr um das Erlebnis Elbphilharmonie als um ein konkretes Konzert. So kommt es, dass selbst komplizierte Stücke wie Hans Werner Henzes Floß der Medusa ausverkauft sein werden.

Kent Nagano hat es schon im vergangenen Jahr gesagt: Ein Konzertsaal sei dann erfolgreich, wenn er von der Gesellschaft akzeptiert werde. Dieses Kriterium hat die Elbphilharmonie erfüllt. Wenn nicht gar übererfüllt.

Abos können bis zum 22. Mai vorbestellt werden, es erfolgt die Auslosung nach dem Zufallsprinzip. Der Verkauf für Einzelkarten beginnt am 12. Juni (um 10 Uhr in Hamburger Vorverkaufsstellen, ab 18 Uhr im Internet)