BMW zählt zu den wenigen Autoherstellern, die im Dieselskandal bisher glimpflich davongekommen sind. Während bei Volkswagen und Daimler Staatsanwälte ermitteln, ist es erstaunlich ruhig in München. Kein Wunder also, dass BMW-Chef Harald Krüger Selbstbewusstsein ausstrahlt, wenn es um die Zukunft der Dieselautos geht. Der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gab Krüger kürzlich ein Interview. Der Euro-6-Diesel sei hocheffizient und absolut sauber, und das sei gut für die Umwelt und den Geldbeutel. Gute Nachrichten hatte Krüger auch für Altkunden: "Die Restwerte für gebrauchte Diesel bleiben stabil, aller gezielten Skandalisierung zum Trotz."

Was Krüger unter gezielter Skandalisierung versteht, sei dahingestellt. Immerhin zahlt der Rivale Volkswagen allein in Amerika insgesamt mehr als 20 Milliarden Dollar Entschädigung und Strafe für vorsätzlichen Betrug bei Dieselautos. Viel wichtiger für Autobesitzer ist die Feststellung des BMW-Chefs, wonach die Dieselkrise nicht auf die Gebrauchtwagenpreise durchschlage. Aber stimmt das auch?

Ein guter Indikator dafür ist das Material der Deutschen Automobil Treuhand (DAT), die seit Jahrzehnten alle Zahlen über die Autorepublik Deutschland sammelt und der Branche dann gegen Gebühr zur Verfügung stellt. Der DAT zufolge waren "im ersten Quartal 2017 keine überproportional hohen Wertminderungen bei Dieselfahrzeugen über alle Fabrikate und Modelle erkennbar". Im Trend seien die Werte sogar "geringfügig höher" gewesen als im Vorjahr.

Hat Krüger also recht?

Unbestritten ist, dass Käufer und Interessenten verunsichert sind. Da gibt es die Debatte um Fahrverbote in Städten wie Stuttgart, München oder auch Darmstadt, da gibt es die Hoffnung, dass vielleicht schon ein Software-Update der Motorsteuerung alle Probleme in Luft auflöst und die Abgasreinigung dann deutlich sauberer arbeitet. Und dann gibt es immer wieder Tests, wie zuletzt vom Umweltbundesamt oder vom ADAC, die den Herstellern bescheinigen, dass auch die neueste Dieselgeneration bis auf ganz wenige Ausnahmen alles andere als sauber fährt.

Die Käufer reagieren längst. Zumindest wenn es um Neuwagen geht.

Das an der Universität Duisburg-Essen angesiedelte Center Automotive Research (CAR) vergleicht monatlich die aktuellen Zulassungszahlen. Als der Betrug von Volkswagen aufflog, war noch jeder zweite in Deutschland neu zugelassene Pkw ein Diesel. Nicht einmal zwei Jahre später sind es nur noch gut vier von zehn. Die größte Käufergruppe sind nicht Privatkunden, sondern Unternehmen. 70 Prozent der neuen Diesel sind laut CAR Firmenwagen – und meist geleast. Das Risiko eines Wertverlusts hätte damit zunächst mal nicht der Kunde. "Die Wertminderung hätte hohe Abschreibungen bei den Leasinggesellschaften und Autobanken zur Folge", sagt Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer. Diese Autofinanzierer haben in der Vergangenheit glänzend am Dieselboom verdient – und hoffen nun, ihn mit neuen Angeboten am Leben zu halten. Da es in der Summe um Milliarden geht, rechnet Dudenhöffer zum Herbst, dann wenn Fahrverbote in manchen Innenstädten konkret ausgesprochen werden sollten, mit Verkaufswellen, die man sonst nur an der Börse erlebt.

Auch Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management erwartet: "Die Restwerte beim Diesel werden fallen, wenn die Diskussion um Fahrverbote die Käufer weiter verunsichert."

Viele private Käufer sind schon jetzt nervös. Das zeigt eine weitere repräsentative Umfrage der DAT. Ihr zufolge möchte jeder fünfte Dieselfahrer sein Auto möglichst schnell loswerden, da er einen Wertverlust und sinkende Verkaufspreise fürchtet. Ebenso viele Dieselfahrer rechnen damit, von etwaigen Fahrverboten betroffen zu sein, und wollen deshalb verkaufen.