Diese Frau wird von den Brexit-Befürwortern gehasst wie keine andere. Ihr wird im Internet mit Vergewaltigung gedroht, mit Mord. Ein Kopfgeld ist auf sie ausgesetzt. Manche zetern anonym, eine schwarze Frau sei nur zum Putzen und zur Prostitution da – sie solle den Mund halten. Die 52-jährige Fondsmanagerin hat drei Kinder, sie ist verheiratet, ihr Vermögen beträgt angeblich 30 Millionen Pfund. Sie hätte ein angenehmes, privates Leben führen können. Doch es ärgerte sie, dass es keinen richtigen Plan für den EU-Ausstieg gab und das Parlament übergangen werden sollte. Also klagte sie erfolgreich vor dem Obersten Gerichtshof Großbritanniens dafür, dass ein Parlamentsbeschluss eingeholt werden musste, und startete eine Crowdfunding-Kampagne für Brexit-kritische Abgeordnete.

Der Hass, der Miller dafür trifft, erschreckt sie – und stachelt sie an. Längst geht es für sie um mehr als den EU-Ausstieg. Miller will nicht, dass Menschen, die sich öffentlich gegen den Brexit aussprechen, mundtot gemacht werden. Sie will sich als schwarze Frau äußern dürfen, ohne sexistisch und rassistisch beschimpft zu werden. Das Beispiel von Guyana treibt sie an. Es ist das Land, in dem sie geboren wurde und das in der Vergangenheit viele Unruhen durchlebt hat. Sie hat gesehen, wie schnell Hass zu Konflikten führen kann, weiß, was Rassismus anrichtet. Sie sagt, sie sehe erste Parallelen zu Großbritannien. Noch sei es nicht zu spät, die Gesellschaft zu kitten.