Manche in ihrer eigenen Partei sagen, sie sei ahnungslos. Machtgeil. Schlagzeilensüchtig. Und sie haben schon recht. Karin Prien kennt sich nicht gut aus in der Hochschulpolitik, auch nicht mit Pädagogik, selbst ihr Wissen über Schulpolitik ist trotz ihrer Zuständigkeit als Fachpolitikerin eher oberflächlich. Sie hat jahrelang systematisch versucht, ihre politische Verantwortung auszubauen. Und sie hat sich dafür in die Medien gedrängelt wie kein zweiter Hamburger Politiker.

Manche sagen aber auch: Das ist das Wesen der Politik. Und auch sie haben recht. Hamburg wird also wahrscheinlich eine seiner besten Politikerinnen verlieren, sollte es Wahlsieger Daniel Günther in Schleswig-Holstein gelingen, eine Koalition zu bilden. Dann wird Karin Prien, Schulexpertin der Hamburger CDU, dort Bildungsministerin – und damit Nachfolgerin von Britta Ernst, der Ehefrau von Olaf Scholz.

Die Wirtschaftsanwältin Karin Prien, 51 Jahre alt, geboren in Amsterdam und aufgewachsen in Rheinland-Pfalz, hat sich in den vergangenen Jahren mit Ehrgeiz, Fleiß und Dauerpräsenz in der Hamburger Politik hochgearbeitet. Ihre Rolle: die Kritikerin. Nun will sie zeigen, dass sie auch gestalten kann. Regierungserfahrung sammeln, wie sie selbst sagt. Demnach hat sie weitere Pläne, für die Regierungserfahrung nützlich ist.

Priens Aufstieg zum wichtigsten Gesicht der Hamburger CDU begann mit einer Wahlniederlage. Nachdem die CDU 2015 auf historisch mickrige 15,9 Prozent der Stimmen abgestürzt war, verfiel die Partei monatelang in Schockstarre. Prien war die Erste, die daraus erwachte. In der Flüchtlingskrise profilierte sie sich als die Stimme der Unzufriedenen. Als stellvertretende Fraktionschefin wurde sie zur inoffiziellen Oppositionsführerin. Hatte sie bis dahin nur Schulsenator Ties Rabe (SPD) gepiesackt, trieb sie nun den gesamten Senat vor sich her.

"Wenn es schlecht läuft, motiviert mich das", sagt Karin Prien

"Mein Motto ist: Nicht aufgeben! Wenn es schlecht läuft, motiviert mich das", sagt sie. "Ich wollte zeigen, dass wir um Vertrauen kämpfen."

Seitdem ackert Prien für ihren Aufstieg und ihre Partei. 576 Anfragen hat sie seit Beginn der Legislatur an den Senat gestellt, fast jeden Werktag eine. Entsprechend gibt es inzwischen kaum noch Prien-freie Tage in den Lokalzeitungen. Dem Abendblatt liefert sie vorab die Antworten auf Kleine Anfragen, dafür wird sie prominent in der Zeitung erwähnt. "Man muss Politik auch auf die Straße bringen", sagt Prien dazu. "Konzepte für die Schublade der Partei bringen nichts."

Prien weiß, wie sie die Oberflächlichkeit des Hamburger Feierabendpolitikbetriebs ausnutzen kann. Statt auf tiefes fachliches Verständnis kommt es auf Geschwindigkeit und Pointierung an. Sie pflegt ihre Kontakte und hakt bei Redaktionen nach, wenn sie ihrer Meinung nach zu selten vorkommt. Sie sei ein Dienstleister für die Medien, sagt sie. Sie liefere Zahlen, Fakten und Zitate. Im Gegenzug werde sie zitiert. Auf SMS von Journalisten antwortet sie innerhalb von Minuten, zu jedem Thema liefert sie passgenaue Statements. Die Bild nennt sie die "CDU-Klartextlady".

Dabei ist bei aller Klarheit ihrer Zitate nicht immer so eindeutig, wofür Prien eigentlich steht. Als Schulexpertin der Hamburger CDU sprach sie sich gegen eine Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren aus. Genau dafür kämpfte sie nun im Wahlkampf in Schleswig-Holstein. Nachdem sie Ende März Schattenministerin wurde, entwarf sie mit CDU-Chef und PR-Berater Roland Heintze eine Kommunikationsstrategie. Die Länge der Schulzeit sei keine Glaubensfrage, sondern eine Abwägungsfrage, erklärte sie. In Hamburg sei es wichtig, dem Schulsystem ein paar Jahre Ruhe ohne Reformen zu gönnen. In Schleswig-Holstein sei die Situation ganz anders.