Alina Oehler (26) ist katholische Theologin und Publizistin. Im Wechsel mit der Vikarin Hanna Jacobs schreibt sie, wie sie als junge Christin ihre Kirche verändern will. © Hannes Leitlein

Im Alltag über den eigenen Glauben zu sprechen fühlt sich oft komisch an. Neulich kam eine Kollegin zu mir ins Büro, um mir Bilder von ihrer kirchlichen Hochzeit zu zeigen. Die lädt man heute auf einen Server, kreiert einen QR-Code und druckt diesen auf die Dankeskarte. Mit einem Klick löst eine Traumhochzeit meine Manuskripte am Bildschirm ab. Ein Hochglanzfoto nach dem anderen blättern wir durch, alles ist da, was das Wedding-Planner-Herz höher schlagen lässt. Die Location – ein Traum! Die Outfits – Damen mit Hut! Die Deko – selbst gemacht! Auch die Kirche ist wunderschön.

Doch kirchlich heiraten wollte sie eigentlich gar nicht, gesteht meine Kollegin. Mit Kirche hat sie nicht viel am Hut. Als beim Vorbereitungsgespräch der Diakon nach dem Grund für die Hochzeit am Altar fragte, war sie dann auch ehrlich: "Er will’s!" Ich denke: Ja, sollen die dann überhaupt katholisch heiraten? Ich beiße mir auf die Zunge.

Der Diakon aber hakte nach, und meine Kollegin zählte auf, was sie von der Kirche weggetrieben hat, und fürchtete, dass es das nun war mit der kirchlichen Trauung. Doch der Kirchenmann hörte verständnisvoll zu und bezog sie in die Vorbereitungen mit ein – er fand ein passendes Evangelium, sie einigten sich auf moderne Musik, und er ging weiter, der Wedding-Planner-Traum. Als die Bilder von der kirchlichen Hochzeit den Bildschirm passieren, sagt die Kollegin glücklich: "Ich bin jetzt so froh, dass wir doch kirchlich geheiratet haben." Nicht nur wegen der Kulisse. Warum dann? Ein Bekannter fällt ihr ein. "Der hat immer eine so große Ruhe ausgestrahlt." Das hat sie fasziniert. Einmal hat sie ihn darauf angesprochen. "Er hat gesagt: 'Weißt du, ich kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand.'" Das hat meine Kollegin getroffen. "Das beneide ich", gibt sie zu. Ein bisschen von dieser göttlichen Geborgenheit hat sie bei der Trauung vielleicht doch gespürt.

Auch mich hat das beeindruckt. Dieses Gefühl darf nicht unsere Privatsache bleiben, denke ich, als meine Kollegin wieder weg ist. Jeder Mensch sehnt sich innerlich nach Vollendung, nach dem guten Leben, ja nach Heiligkeit. Wer das tiefer verstehen will, muss in der Bibliothek nur zu Thomas von Aquin greifen, Stichwort "desiderium naturale". In einer Zeit, in der Konzepte zum "guten Leben" Trend werden, wird das für mich besonders sichtbar. Die Zahl der Wohlfühl-Magazine an den Kiosken wächst, auf Instagram und Snapchat nehmen Influencer ihre Follower mit auf die Selbstoptimierungsreise. Gerade dann, wenn Menschen auf der Suche sind, sollten wir Christen doch zeigen, dass unser Glück seine Ursache im Glauben hat. Auch ohne Worte. Wenn das bei anderen ankommt und sie spüren, welche Geborgenheit und Sicherheit der Glaube schenkt – dann ist das ein größerer Erfolg als jeder stammelnde Versuch, zu sagen, warum man eigentlich gläubig ist. Vielleicht ist es manchmal gar nicht schlecht, sich auf die Zunge zu beißen. Auch wenn’s schwerfällt und ich mich frage, wie sich das wohl mit Mt 28,20 verträgt – dem Missionsauftrag. Mein Nachdenken über diese Frage verflüchtigt sich kurz, als ich meiner Kollegin diesen Text vorab zeige und sie frage, ob eine Veröffentlichung für sie in Ordnung ist. Sie lächelt und sagt: "Ja. Nur eines kannst du im vorletzten Absatz streichen – das 'vielleicht'."