Ende der Luftangriffe und Kampfhandlungen, Zugang für humanitäre Helfer, Rückkehr von Flüchtlingen. Das vereinbarten Russland, die Türkei und der Iran vergangene Woche auf der Syrien-Konferenz im kasachischen Astana. Nicht für ganz Syrien, aber für mehrere umkämpfte "Deeskalationszonen", die unter Kontrolle der Opposition stehen.

Solch ein Anfang vom Ende des Krieges ist mehrfach beschlossen worden und immer wieder gescheitert. Könnte er jetzt gelingen?

Es ist Wladimir Putins Plan. Er möchte den Verhandlungsdurchbruch erzielen, der seiner Militärintervention eine gewisse diplomatische Anerkennung verleihen würde. Russland ist erstmals bereit, Beobachter zu entsenden, die mit Türken und Iranern die vier Zonen schützen sollen, in erster Linie vor Assads Truppen. Allerdings sieht das Memorandum von Astana keine Sanktionen gegen jene vor, die es verletzen. Das Assad-Regime hat am Wochenende seine Offensiven fortgesetzt.

Womit man beim zentralen Problem ist: "Terroristische Gruppen" dürfen in den Deeskalationszonen weiter bombardiert werden. Wer sind diese Gruppen? Laut Memorandum der IS und Al-Kaida-nahe Verbände. Ersterer befindet sich außerhalb der Zonen, Letztere aber innerhalb – und sie gehören in manchen Gebieten zu den stärksten Truppen der Rebellen. Gegen sie wird die syrische Luftwaffe also weiterhin Angriffe fliegen. Für das Regime in Damaskus ist ohnehin die gesamte Opposition "terroristisch". Will Putin da irgend eine Deeskalation durchsetzen, muss er Assad massiver unter Druck setzen als bisher.

Und die Opposition? Sie ist, weil militärisch in der Defensive, für die Idee der Deeskalationszonen aufgeschlossen. Aber sie lehnt die Beteiligung iranischer Beobachter kategorisch ab. Denn Irans Generäle führen den Bodenkrieg auf Seiten Assads.

Unabhängig davon, ob die Vereinbarung von Astana umgesetzt werden kann: Es gibt längst Deeskalationszonen. Die libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah, ein wichtiger Verbündeter Assads, hat sich einen Korridor entlang der Grenze zum Libanon und zusammen mit iranischen Kräften einen Landgürtel von Homs bis hinunter zu den Golanhöhen gesichert. Und im Norden haben syrische Kurden ihre autonome Region abgesteckt, in die wiederum die Türkei einen Keil getrieben hat. Im Süden dehnt Jordanien seinen Einfluss aus, während Israel, das Irans Expansion und die Hisbollah fürchtet, dort die Lufthoheit übernommen hat. In diesen Gebieten sind die Kämpfe deutlich zurückgegangen.

Nur sind dies eben keine Schutzzonen für die Zivilbevölkerung. Sie bedeuten vielmehr die Aufteilung des Landes und seiner Bewohner. Für die betroffenen Syrer ist das im Vergleich zu Dauerangriffen mit Fassbomben und Giftgas ein Fortschritt. Aber eine solche Aufteilung der Kriegsbeute ist meist auch die Saat für den nächsten Konflikt.