Bonnie Tsui hat Magenbeschwerden. Weil sie eine halbwegs bekannte Autorin ist, durfte sie sich auf der Meinungsseite der New York Times ausbreiten und pikiert fragen: "Warum ist Asiatischer Salat noch immer auf der Speisekarte?"

Das sei "leichtfertiger Rassismus" – unbedacht, aber doch. Wieso? Weil "asiatisch" einen ganzen Kontinent umfasst. Wieso ist ein geografischer Begriff rassistisch? Unter Aufbietung aller dialektischen Kunst erklärt sie: Im Asiatischen Salat (Sesamöl, Karotten, Ingwer, Mandarinen, Grünzeug, d. Red.) verberge sich ein klassisches "Stereotyp", nämlich "die sehen doch alle gleich aus". Salat gleich Klischee gleich Herabwürdigung.

Eine kühne Ableitung. Doch ganz hinten im Kopf der Bonnie T. schien der Zweifel genagt zu haben: "Nehme ich das zu ernst?" Nein, nein. "Wenn man Länder und Kulturen nicht als eigenständige Gebilde begreift, wie viel Achtung kann man dann Individuen entgegenbringen?" Wer also Asian Salad mümmelt, bestärkt unbewusst die Vorstellung von schlitzäugigen Horden, die sogar die Kettenrestaurants Amerikas überflutet haben.

Postmodern gesprochen: Salat ist "Mikroaggression": Wir gegen die. Aber auch "kulturelle Aneignung": Die Weißen klauen den Indern (Curry), Russen (Wodka), Arabern (Hummus) ihre Kultur. Selbst den Lesern der New York Times, der Kathedrale des Korrekten, stieß diese Logik auf. "Lächerlicher Nonsens", schrieb einer. Ein anderer spießte sie auf ihrer eigenen Lanze auf. Sie bezichtige uns, alle Asiaten in eine Salatschüssel zu werfen, maße sich aber an, "im Namen all dieser (48) verschiedenen Nationen beleidigt zu sein". Ein Dritter: "Rassistischer Salat! Deshalb hat Trump gewonnen."

Ein Schweiz-Amerikaner witzelte, er fühle sich ebenfalls gekränkt – wegen der "Vorstellung, dass Schweizer Käse voller Löcher sei". Man darf die Empörung endlos ausweiten. Wieso haben sich die Amerikaner den Hamburger angeeignet? Den Bagel, der ursprünglich in Polen blanchiert wurde, dann mit der jüdischen Auswanderung nach Amerika gelangte. Jetzt ist das Rundgebäck in Deutschland "echt amerikanisch" – wie die Jeans, die ein Franke erfunden hat.

Frech haben sich die Amis French Fries (Pommes) gegriffen. Dazu German Chocolate Cake und Sourkraut, von Irish Stew (Eintopf) ganz zu schweigen. Dazu Danish pastry (Plunder) und French Toast (Arme Ritter). Die Deutschen sind auch schuldig geworden. Sie haben den Amerikaner gebacken, den in den USA niemand kennt und der in der DDR klassenkampfgerecht in Ammonplätzchen umgetauft wurde.

Wäre Bonnie T. nicht in ihrem "Asiatischen Salat" versunken, hätte sie ahnen können, was ein kluger Leser schrieb: "Unsere Nahrung hat die ganze Welt durchquert, seit Milch in einem Ziegenlederschlauch zu Joghurt gerann. Essen ist ein Mischmasch der Kulturen." Alle Kultur ist Mischmasch. Sonst würden die Nachfahren der Germanen noch immer von Hirsebrei leben. Und die Chinesen würden mit Signalfeuern statt per iPhone kommunizieren.

Wollen Sie dennoch korrekt bleiben? Dann weder Döner noch Falafel – ein schwerer Kulturraub. Lieber eine gute deutsche Wurst. Leider wird Wurst schon in der Odyssee erwähnt. Mit dem Verzehr beleidigen Sie alle Griechen, die schon unter Schäubles Euro-Knute stöhnen.