DIE ZEIT: Herr Kaiser, die Frankfurter Rundschau schreibt über den gerade wiedereröffneten Dresdner Kulturpalast, dieser sei "fast eine Elbphilharmonie" geworden – also ein perfektes Haus für klassische Konzerte. Jetzt hatten Sie Ihren ersten Auftritt im umgebauten Saal. War’s wirklich so beeindruckend?

Roland Kaiser: Es war herrlich. Hochemotional. Ich trete oft in Dresden auf, ich kannte den alten Kulturpalast natürlich sehr gut. Nun, nachdem ich zum ersten Mal im neuen Saal gespielt habe, muss ich sagen: Er ist imposant, hat eine tolle Ausstrahlung; mit warmen, schönen Farben. Die Akustik ist phänomenal. Hier kann man nicht nur klassische Konzerte geben, man kann alle Formen von Musik aufführen. Das Lob ist berechtigt; ein wunderbarer Ort.

ZEIT: Die FAZ vergleicht den neuen Saal architektonisch mit der Berliner Philharmonie oder dem Leipziger Gewandhaus, weil sich die Besuchertribünen wie Weinbergterrassen schichten.

Kaiser: Es ist jedenfalls beeindruckend, wie steil die Tribünen nach oben gehen; wie das Publikum sich vor der Bühne auftürmt. Der alte Kulturpalast fiel ja immer durch seine immens breite Bühne auf. Die gibt es nicht mehr. Die erste Reihe ist sehr nah an den Künstlern, so entsteht eine fast intime Atmosphäre. Ich hatte übrigens den Eindruck, dass die Leute sehr bequem sitzen. Und es gibt auch hinter der Bühne noch Plätze, es sitzen also auch hinter dem Künstler, hinter dem Orchester Zuschauer.

ZEIT: Der alte Kulturpalast war immer ein Mehrzweck-Saal für alle Schichten und Bildungsgrade; die Dresdner Philharmonie war dort genauso zu Hause wie Schlagerstars und Popmusiker. Jetzt, nach dem Umbau, ist er für Konzerte mit einem Spitzenorchester zugeschnitten. Das fanden viele Dresdner gar nicht lustig, von Kultur-Snobismus war die Rede!

Kaiser: Aber wenn man den Raum nun sieht, stellt sich plötzlich heraus: Hier ist jede Form von Konzert denkbar. Man kann auch wunderbar ein Popkonzert veranstalten. Ich finde, man muss offen dafür sein, dass Dinge sich verändern. Wenn sich eine Sache überlebt hat, dann hat sie sich eben überlebt. Da ist ein toller Saal in die alte Hülle gebaut worden. Die historische Fassade aus der DDR-Zeit ist ja erhalten geblieben. Diese Ambivalenz gefällt mir. Die Stadtväter haben sich etwas dabei gedacht.

ZEIT: Und die Dresdner sind befriedet.

Kaiser: Vor allem sind sie stolz: Sie können jetzt einen ähnlich guten Klang erzeugen wie die Hamburger mit ihrer Elphilharmonie, und das zu einem Bruchteil der Kosten.

ZEIT: Die Elbphilharmonie hat 800 Millionen Euro gekostet, der Umbau des Kulturpalasts 100 Millionen.

Kaiser: Und dabei ist er fast genauso groß. Für beide Bauwerke, in Hamburg wie in Dresden, gilt übrigens: Man muss sowieso nicht an allem herumkritteln.

ZEIT: Sie haben ein neues Lied schreiben lassen, eigens für Ihre ersten Auftritte im neuen Kulturpalast. Wieso das denn?

Kaiser: Grenzenlos heißt es. Es entstand, weil Frauke Roth, die Intendantin der Dresdner Philharmonie, sich für unsere Eröffnungskonzerte einen Titel gewünscht hat, der dem Gedanken des Hauses entspricht. Eben weiterhin offen zu sein für alle künstlerischen Formen. Nicht nur für Besucher von Orchestermusik.

ZEIT: Sie haben trotzdem beschlossen, jetzt zur Einweihung kein normales Konzert zu spielen – sondern Ihre Stücke gemeinsam mit einem Orchester, der Dresdner Philharmonie, aufzuführen. Haben Sie sich mit dem üblichen Programm etwa nicht in diesen Saal getraut?