Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Die Volkspartei hat in Sachen Strategie immer wieder die Nase vorn. Die neue Broschüre, welche die Gefahren einer drohenden rot-grünen Koalition beschreibt, stellt dies eindrucksvoll unter Beweis. Vor diesem Bündnis zu warnen entbehrt natürlich nicht einer gewissen Ironie. Ebenso könnte man in der Sahara eine Eisbären-Warnung aussprechen. Die Symbolik dieser Kampfschrift, verziert mit dem Emblem von Hammer und Sichel, ist ein Menetekel: Steht die Rückkehr marxistischen Ungeists bevor, ist der Bundeskanzler insgeheim gar ein Bolschewist? Es tut der Qualität der Informationsschrift keinen Abbruch, dass einige konservative Landeschefs das Meisterwerk nicht verteilen lassen wollen. Sie haben vermutlich die Signale nicht gehört oder, besser gesagt, in Gottes Namen die Zeichen nicht verstanden. Schließlich soll der "Mittelstand" ins Unglück geführt werden. Zeitgemäßer wäre vielleicht der Begriff "Mittelschicht", da es ja im Moment an Oberstand und Unterstand fehlt. Dieses Manöver riecht streng nach Wahlkampf, was allerdings bestritten wird. Immerhin unterstellt man dem Koalitionspartner, er wolle die Macht nicht aus der Hand geben. Der Vorwurf macht nachdenklich, da es ja zu den Grundaufgaben demokratischer Parteien gehört, keine Macht anzustreben. Weiters wurde den Sozialdemokraten vorgeworfen, Begabungen nicht zu fördern. Das ist ungerecht, zumal der Sowjet-Kanzler selbst jüngst seine neuen Talente als Pizzabote unter Beweis stellte. Vermutlich dient dieses 58 Seiten starke Manifest dazu, die Volkspartei als das antileninistische Bollwerk der Republik zu positionieren. Seltsam, davor warnt uns niemand. Wie war das doch mit den Eisbären in der Wüste?