Wenn frühmorgens der Müllwagen in die Straße einbiegt, hört man sie schon scherzen und Sprüche machen. Wer mit verquollenen Augen aus dem Haus tapert, dem werfen sie ein freundliches "Moin!" zu. Man kann nur staunen, wie lässig-gutgelaunt die orangefarbenen Mannen – seit geraumer Zeit sind auch Frauen dabei! – die schweren, stinkenden Tonnen zum Müllauto befördern. Resultiert die gute Stimmung aus obligatorischen Motivationsseminaren der Stadtreinigung, womöglich vor Morgengrauen auf dem Müll-, sorry: Energieberg Georgswerder? Mischen sich die Rest- und Nebenprodukte der Cannabiskonsumenten – legalize and share! im Abfall mit dem Schnüffelstoff aus illegal entsorgten Klebstoff-, Farb- und Medikamentenresten, um Morgenmuffel in Partylaune zu versetzen?

Nein, sie mögen es wirklich. 120 bis 400 Mülltonnen muss jeder im Team pro Tag zum Wagen schleifen und leeren, das sind 5 bis 11 Tonnen Gewicht. Bei Wind und Wetter und im fließenden Verkehr. Dazu kommen: Die Nachtsammlung auf der Reeperbahn. Die rosalila Müllsäcke in Eimsbüttel oder Blankenese. Autofahrer, die hinter dem Müllwagen auf die Hupe drücken. Anwohner, die aus dem Fenster brüllen: "Hören Sie auf mit dem Lärm, sofort, oder ich rufe die Polizei!"

Die orangefarbenen Recken und Reckinnen nehmen es sportlich. Sie haben Jobs im öffentlichen Dienst, Fünftagewoche mit bis zu 2700 Euro brutto Tarifgehalt, und sie fangen zwar um 5.30 oder 6 Uhr an zu arbeiten, aber Dienstschluss ist gegen 14 Uhr. "Die Fluktuationsrate", berichtet Reinhard Fiedler von der Stadtreinigung, sei dementsprechend "sehr gering". Größtes Problem ist das hohe Durchschnittsalter von 47,2 Jahren für diese körperlich schwere Arbeit. Wenn das so weitergeht, muss die Stadtreinigung irgendwann Mülltonnen mit Hilfsmotor und Treppenlift einführen.

Sind Sie nun womöglich neidisch auf die glücklichen Entsorger? Nicht nötig, denn zumindest statistisch könnte es Ihnen genauso gehen: Laut dem Meinungsforschungsinstitut YouGov macht beachtlichen 75 Prozent der Deutschen ihre Arbeit meistens Spaß.