Jeder ambitionierte Visionär weiß: Die Zukunft schickt keine Gegendarstellung. Sind die prognostizierten Zeiträume nur lang genug, braucht man über seine Vorhersagen niemals Rechenschaft abzulegen. Denn vom heute staunenden Publikum ist dann niemand mehr da, um das Eintreffen (oder Ausbleiben) der Prognose zu erleben.

Das weiß auch Stephen Hawking, der seit Jahren die Planstelle des globalen Wissenschaftsorakels ausfüllt. Deshalb kann er, wie jetzt in einer BBC-Sendung, getrost behaupten, die Menschheit sei innerhalb der nächsten 100 Jahre dem Untergang geweiht – es sei denn, sie schaffe es, im All einen neuen Planeten zu besiedeln. Wer will das überprüfen? Und wer glaubt, in 100 Jahren einen Platz auf dem Flucht-Raumschiff zu ergattern?

So lehrt uns Hawkings düstere Vision weniger über die Zukunft, sondern mehr über den rapiden Verfall seines Optimismus: Noch vor wenigen Monaten prophezeite er der Menschheit 1000 Jahre bis zum Untergang. Woher das Umdenken? Ist Donald Trump schuld? Wurde der gelähmte Physiker, der nur per Augenzwinkern kommuniziert, von seinem Sprachcomputer falsch verstanden?

Wie auch immer: Hawkings Prognose ruft danach, ihn zu widerlegen. Denn selbst ein Flug zu fernen Planeten böte keine Rettung. Die größte Gefahr nähme die Menschheit nämlich mit: sich selbst.