Diese Kolumne ist eine kleine Handreichung für diejenigen, die im Wahljahr 2017 zeigen wollen, dass ihnen der ganze politische Betrieb zuwider ist. Wie drückt man das besser aus: durch Nichtwählen oder durch die Abgabe eines ungültigen Stimmzettels?

Das gleich vorweg: Egal, welche Alternative Sie wählen, die Parteien werden sich nicht besonders darum scheren. Ich habe an dieser Stelle schon erklärt, dass die Erstattung der Wahlkampfkosten für die Parteien insgesamt nicht reduziert wird, wenn weniger Menschen wählen gehen (ZEIT Nr. 40/09).

Beginnen wir mit dem Nichtwählen. Diese Entscheidung schlägt sich in der Wahlbeteiligung nieder. Eine wirkliche politische Auswirkung wird das aber nur haben, wenn die Wahlbeteiligung derart in den Keller geht, dass die Legitimation der Gewählten angezweifelt wird. Nach Jahrzehnten mit tendenziell rückläufigen Zahlen geht der Trend gerade in die entgegengesetzte Richtung, bei den Landtagswahlen im Saarland und in Schleswig-Holstein stieg die Beteiligung um mehrere Prozentpunkte.

Eignet sich eine ungültige Stimme besser, um ein Exempel zu statuieren? Etwa, indem man quer über den Wahlzettel schreibt: "Alles Idioten"? Nur bedingt. Lediglich die Wahlhelfer sehen, was auf dem Stimmbogen steht – danach landet man in einem Topf mit jenen, die wählen wollten, aber es nicht geschafft haben, ihr Kreuz korrekt zu machen. Zudem werden die ungültigen Stimmen bei der Ermittlung der Wahlbeteiligung mitgezählt. Im amtlichen Endergebnis werden sie zwar ausgewiesen (bei der letzten Bundestagswahl waren es immerhin 1,3 Prozent), aber in die Berechnung der Stimmanteile und Sitze der Parteien fließen sie nicht ein. Eine Ausnahme ist Berlin: Dort bezieht sich die Fünfprozenthürde, die eine Partei überwinden muss, um ins Abgeordnetenhaus zu kommen, auf alle abgegebenen Stimmen – wer in Berlin ungültig wählt, schadet tendenziell den kleinen Parteien.

Allerdings gab es in der Vergangenheit Wahlen, bei denen das Ungültigwählen ein machtvoller Ausdruck politischer Unzufriedenheit war. Etwa im Saarland, als 1952 die für den Anschluss an Deutschland eintretende Demokratische Partei Saar von der Wahl ausgeschlossen wurde. Aus Protest machte ein Viertel der Wähler den Stimmzettel ungültig.

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