Das europäische Einhorn ist vom Aussterben bedroht. Fabeltierschützer verloren vor wenigen Tagen die Spur eines der letzten bekannten Exemplare auf einer Feuchtwiese bei Gadebusch in Mecklenburg-Vorpommern. Kurz darauf postete der ortsansässige Metzgereibetrieb Puttkammer "passend zur Grillsaison 2017" bei Facebook ein Foto von rosafarbener "Einhornbratwurst". Das Horn wurde Gerüchten zufolge nach Asien verkauft. Geriebenes Einhornhorn gilt in der traditionellen asiatischen Medizin als Potenzmittel.

In der traditionellen deutschen Werbung gilt das Einhorn ebenfalls als Wundermittel, mit dem sich von Kindermöbeln über Bücher bis zu Schulranzen nahezu alles verkaufen lässt. Schuld ist das Internet: Vor ein paar Jahren verkochte jemand farbige Marshmallows zu einem bunten Klumpen, nannte das "Einhornkotze" und stellte die Fotos online. Seitdem werden Einhörner erbarmungslos gejagt und ausgenutzt. Schnell verkaufte die für ihre Herrenwortspiele ("Oralverzehr") bekannte Smoothie-Marke true fruits eine Mischung aus pinker Drachenfrucht, Banane, Apfel und anderen Zutaten als "Einhornkotze". Nun verwurstet die Metzgerei Puttkammer die Tiere. Und allen verbleibenden Einhörnern macht eine große Discountkette den Garaus.

"Netto holt das süße Fabelwesen aus seinem Winterschlaf", teilte das Unternehmen am Montag mit und kündigte stolz Einhorn-Küchenrollen, -Taschentücher und -Klopapier "mit Zuckerwatteduft" an. Angesichts dessen wirkt Aussterben wie eine echte Alternative. Das private Bahnunternehmen Locomore erlaubt auf der Strecke zwischen Berlin und Stuttgart übrigens "die unentgeltliche Beförderung von Einhörnern in Begleitung von jeweils mindestens einem Kind bis einschließlich 14 Jahren in Mehrzweckabteilen" (Beförderungsbedingungen § 12, Abs. 6). Aber das ist nur ein billiger Marketinggag. Es gibt ja kaum noch Einhörner.