Drei Mark für ein Nackensteak, was waren das noch für Zeiten! Thorsten Köpp schaut in den regnerischen Abendhimmel über dem Stadtpark. Ende der neunziger Jahre war das, er hatte gerade die Gastronomie in dem Biergarten übernommen. Was heißt übernommen: "Ich habe das hier gegründet!", ruft er. Das Stadtpark-Freiluftbad: damals eine Ruine. Tote Tiere seien darin geschwommen, kaum jemand sei zum Baden gekommen. Bis er die Sache zum Laufen gebracht habe. Mit seinen Drei-Mark-Nackensteaks.

"Ich habe hier alles eingebaut", ruft der Mann, der Schumachers Biergarten als seine Mission, wenn nicht als Lebenswerk versteht. Die Fenster, die Rollläden, Gas, Abwasser, Strom, alles seins. Das Geld, das sein Vater ihm hinterlassen hat, 400.000 Euro, ist komplett in die Einbauten und Reparaturen geflossen. "Und als die Investition endlich abgezahlt war, als wir gerade beim Break-even waren – da kam die Mieterhöhung von Bäderland." Bäderland, der städtische Schwimmbadbetreiber, dessen Pächter Köpp ist.

Oder besser: dessen Pächter er war. Seit dem 20. April ist per Gerichtsurteil bestätigt, dass Thorsten Köpp die Kündigung akzeptieren muss. Doch Köpp weigert sich zu gehen. "Bis der Vollstrecker kommt", lautete das Motto der Party, die am vergangenen Freitagabend gefeiert wurde. Zwei Handvoll Gäste verlieren sich in dem mit bunten Lichtern illuminierten Bierzelt, ein DJ legt Chartsmusik auf. "Bei gutem Wetter wären hier 2.000 Leute", versichert Köpp. Zwei Frauen begrüßen ihn, Stammgäste. "Das Wetter könnte besser sein", sagt die eine, "aber wir halten zu dir, Thorsten!"

Der Biergartenstreit: Seit Wochen beschäftigt er die Öffentlichkeit. Kein Wunder, schließlich ist die 103 Jahre alte Backsteinanlage ein zentraler Bestandteil des Sommers in dieser Stadt. "Vielleicht Hamburgs schönster Sonnenuntergang", steht auf einem Schild am Eingang zu Schumachers Biergarten. Es stimmt, der Blick von der Terrasse auf den Stadtparksee, auf die Baumkronen und auf die Silhouette des Planetariums: eins a. Deshalb nennt Bäderland-Sprecher Michael Dietel die Anlage auch eine "Eins-a-Top-Location". Und für eine Eins-a-Location könne die Miete auch schon mal 15 bis 20 Prozent des Bruttoumsatzes betragen. Findet Bäderland.

2013 schloss der städtische Betrieb mit Köpp einen Vertrag, der eine jährliche Steigerung der Pacht vorsieht. Los ging es mit 16 Prozent des Umsatzes, inzwischen sind es 20 Prozent. Das will der Biergartenwirt nicht zahlen.

Bäderland habe ihm damals die "Pistole auf die Brust" gesetzt und ihn dazu gedrängt, den Vertrag zu unterschreiben, sagt Köpp. Sein Steuerberater habe ihm vor drei Jahren zum ersten Mal vorgerechnet: Du hast ein Minus gemacht. Er habe versucht, Bäderland klarzumachen, dass es so nicht weitergehe. Die Antwort des städtischen Unternehmens sei gewesen: Dann erhöhe eben die Preise. Ein halber Liter Bier kostet inzwischen 4,50 Euro. Köpp würde lieber 3,50 nehmen, das sei angemessener für das Publikum, Arbeiterfamilien aus dem umliegenden Stadtteil.

Weil die Parteien sich nicht einigen konnten, geht der Fall nun vor Gericht. Am 10. Mai hat Köpp beim Landgericht Hamburg Klage gegen Bäderland erhoben. Er will "Rückforderungsansprüche an überzahlter Miete nach § 812 BGB" geltend machen. Genau 192.062 Euro und 28 Cent soll das städtische Unternehmen zurückerstatten. Die Klageschrift wirft Bäderland ein "wucherähnliches Geschäft" vor. Wucher? Bäderland-Sprecher Dietel macht am Telefon eine Pause, dann sagt er: "Nicht nachvollziehbar" sei die Sache mit der Wuchermiete. Natürlich habe eine solche Toplage ihren Preis, aber die Umsatzbeteiligungen seien bei solchen Objekten durchaus marktüblich. "Wir haben bei der Neuausschreibung mindestens 15 Prozent Umsatzbeteiligung verlangt", sagt Dietel, "und wir haben über 40 Angebote bekommen." Außerdem habe man Köpp vor der Kündigung eine Senkung der Pacht angeboten. "Das Angebot hat er unkommentiert verfallen lassen", sagt Dietel. "Wir sind da ja im Dialog gewesen, aber irgendwann ging das nicht mehr."