Warum nur kann sich die Bundeswehr nicht von der Wehrmacht lösen? Warum gibt es alle zwei bis drei Minister einen neuen, ultimativ verschärften Traditionserlass und lebt der alte Zank wieder auf?

Schwer zu fassen, aber auch mehr als sieben Jahrzehnte nach dem Untergang der Hitlertruppe wird über Büsten und Bilder gestritten, um Kasernennamen und Traditionszimmer gerungen. Werden immer noch wortreich Apologien verfasst, dass dieser oder jener General und Admiral doch von "den Dingen hinter der Front" und "dieser Judensache" kaum etwas gewusst und außerdem im Mai 45 eine wirklich kritische Bemerkung über Hitler gemacht habe. Auch müsse wenigstens dieses eine "an sich völlig unverfängliche" Lied, zwei, drei, wohl noch möglich sein. Oder dieses "rein historische" Gewehr (natürlich nur mit abgeklebtem Hakenkreuz), das es "schon lange vor der Wehrmacht" gab. Und so weiter. Es ist ein ewiges kindisches Gejammer, Gefeilsche, Gedruckse.

Seltsam, befremdlich. Die tiefe Anhänglichkeit an die Wehrmacht bleibt ein Rätsel. Ein Rätsel vor allem deshalb, weil die Armee des "Dritten Reichs" nicht nur den vernichtendsten Krieg der neueren deutschen Geschichte geführt hat, sondern auch die vernichtendste militärische Niederlage der deutschen Geschichte erfahren musste. Gewiss, die Nazi-Streitmacht hat eine kurze Zeit lang mit ihren Überfällen und "Blitzkriegen" die Schlachten gewonnen und viele Länder überrollt. Aber am Ende hat sie diesen Krieg so vollständig und so total verloren, wie kein deutsches Militär jemals zuvor einen Krieg verloren hat.

All diese Generale und Admirale, Fliegerheroen und Panzerhasardeure, denen so mancher in unserer Bundeswehr gern weiterhin huldigen möchte, sind vor allem eins: Sie sind Verlierer. Sie waren dafür verantwortlich, dass das geliebte Deutsche Reich vollständig in Trümmer sank und am Ende nicht mal mehr dem Namen nach existierte.

Natürlich, hinterher waren sie es gar nicht gewesen. Wir kennen diese Memoiren, diese Verlorenen Siege. Die unfähigen Berater des "Führers" waren an allem schuld. Auch Goebbels, Himmler, der Reichsmarschall Göring. Die Übermacht des Gegners. Der Zufall. Das Wetter. Außerdem die ganze deutschlandfeindliche Geschichte: der Versailler Vertrag, das perfide Albion, Napoleon, ja schon die Römer – und weiß der Himmel oder besser die Hölle, wen sie sonst noch vorgeschoben haben, um das eigene Versagen zu vertuschen.

Warum nur hängt die Bundeswehr so an diesen Untergehern?

Oder einmal anders gefragt: Warum ehrt sie nicht die historischen Sieger? Da sind zum Beispiel die Freiheitskämpfer von 1848/49, da sind Hecker und Becker, Willich und Dortu. Und Wilhelm Rüstow, der später Garibaldis Generalstab führte. Und Franz Sigel, den in Manhattan ein riesiges Reiterstandbild feiert. Denn er kämpfte nicht nur in Deutschland für die Regierung des Volkes durch das Volk und für das Volk, sondern auch unter Lincoln im Amerikanischen Bürgerkrieg.