Natürlich, als Hamburger sollte man anderen Städte alles erdenkliche Gute gönnen. Der Wunsch, hierherzuziehen, ist ohnehin weiter verbreitet, als es der Metropole und vielen schrumpfenden Regionen guttut. Es gibt andererseits Städte, die ähnlich schnell wachsen, die eher noch ein bisschen jünger, hipper, interessanter sind als Hamburg. Und der Umstand, dass das aus Alsterbinnenperspektive als so gut wie ausgeschlossen betrachtet wird, trägt dazu womöglich bei.

Eine dieser Städte ist Leipzig. Weshalb man als Hamburger vielleicht nicht allzu laut Hurra schreien sollte, nun, da der Chaos Computer Club angekündigt hat, dass er seine jährliche Megazusammenkunft, den Chaos Communications Congress, in diesem Jahr nicht in Hamburg, sondern in Sachsen abhält.

Ausgerechnet die Hackerszene wandert aus. Es war ja durchaus so etwas wie eine Bindung entstanden, mit lieb gewonnenen Ritualen wie der offiziell nie genehmigten Umbenennung des Kongresszentrums mittels der Buchstaben über dem Eingang: CCC statt CCH. Manche Hacker erzählen in geradezu nostalgischen Tönen vom Gängelabyrinth des Hamburger Kongresszentrums, in dem man sich so kreativ verlaufen konnte. Vorbei.

Wer die Welt vor allem als Business-Return-Gelegenheit betrachtet, wird den Verlust verschmerzen. Die jährliche Nerd-Invasion mag den Mate-Absatz kurzfristig steigern, aber nach vollbrachter Tagung zieht die Szene nicht ins nächste Hamburger Start-up-Center, sondern zum Bahnhof und zum Flughafen.

Andererseits gibt es selbst unter Standortgesichtspunkten so etwas wie weiche Faktoren, und die Großereignisse der digitalen Community gehören sicherlich dazu. Wer eine Stadt eher als Gesamtkunstwerk auffasst, dem sind gerade ein paar grelle Farbtöne abhandengekommen.

Wieso wechseln die Hacker eigentlich den Standort?

Offiziell aus praktischen Gründen, das CCH wird saniert und steht bis 2019 nicht zur Verfügung. Allerdings war das Kongresszentrum am Dammtorbahnhof ohnehin zu klein für das stetig wachsende Hackertreffen. Nun stehen gleich nebenan die Messehallen, die – aufgeteilt in kleinere Räume – durchaus als Ort für eine Konferenz taugen würden. Und tatsächlich haben die Hamburger ihre Hallen ins Spiel gebracht. Allein: Das Angebot war nicht gut genug. Das sei eine "einfache logistische und kaufmännische Entscheidung" gewesen, heißt es beim CCC. Anders gesagt: Hamburg hat einen Standortwettbewerb verloren, Leipzig war besser.

Gibt es Hoffnung, den Kongress zurückzuholen? Theoretisch natürlich, in der Praxis teilt der Computerclub aber bereits mit, dass man in Leipzig "ein neues Zuhause" gefunden habe, "wo die Teilnehmer auch deutlich mehr Platz finden werden". Das klingt endgültig. Na ja, wozu die grellen Farben? Traditionell kennt der Hamburger Marine, Navy und Dunkelblau, das muss wohl reichen.