Es war ein kurzer, ein schrecklicher Krieg. Die Daten: 19. Juli 1870 bis 10. Mai 1871. Kriegserklärung des französischen Kaisers, Sieg der Preußen. Übergabe von Paris. Empörter Aufstand der Commune, der Pariser Sozialisten, über dem Pantheon weht die rote Fahne. Während in Frankfurt am Main am 10. Mai schon der Frieden unterzeichnet wird, geht der innerfranzösische Kampf um Paris weiter. Bis zur Blutwoche Ende Mai: die Niederlage der Kommunarden, die Massenhinrichtungen; vermutlich 25.000 Männer und Frauen werden exekutiert.

Der Fallout dieses Jahres, das Victor Hugo das "année terrible" genannt hat, erreicht uns noch heute, fast 150 Jahre nachdem Napoleon III. von Bismarck in diesen Krieg gelockt wurde und das hochgerüstete Preußen mit seinen deutschen Verbündeten das Land überrollte. Das französische Kaiserreich war implodiert, das Volk im Bürgerkrieg gespalten. Das Selbstbewusstsein der Franzosen vernichtet. Das Verhältnis der Völker untereinander vergiftet, die Furcht vor einer Übermacht Deutschlands hat sich im Bewusstsein Europas festgekrallt und lässt sich noch jederzeit abrufen.

Es ist nicht ohne Symbolik, dass eine Ausstellung zu diesem Krieg in diesen Tagen, wo wir an einer erneuten Krise im Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland knapp vorbeigeschlittert sind, im Pariser Armeemuseum gezeigt wird – es ist, wie Direktor David Guillet bemerkt, ein "Rendezvous mit der Geschichte und der Aktualität".

Dabei ist dieser Krieg ja längst von den Schrecken des nächsten Jahrhunderts überschattet, dem erneuten Einmarsch der Deutschen im Ersten Weltkrieg, der Besetzung Frankreichs durch Wehrmachttruppen im Zweiten. Die Ausstellung, welche die Chronik des Krieges von 70/71 aufblättert und das Schicksal der Commune beleuchtet, ist perfekt kuratiert. Sie schlägt einen Bogen von Schlachtplänen über Historiengemälde, Andenken, Waffen, erste Fotografien bis hin zu modernen Medien: In Videos sind die Häuserkämpfe der Kommunarden nachgestellt. Es fehlen weder das hübsche Aquarell, das Victor Hugo in den Ruinen von Thionville malte, noch die Devotionalien, die bei einfachen Leuten an der Wand hingen, zur Erinnerung an den Krieg, kleine Rahmen mit verblichenen Strohblumen. Ein Korb aus Binsen für die Ballonfahrten aus dem belagerten Paris heraus.

Und welche Uniformen! Das Tuch tintenblau und rot gepaspelt, so kamen die Thüringer, schwarz gelocktes Fell an den Rockschößen der marokkanischen Spahis, zitronengelb die Stulpen der Ulanen und alle Helme verziert mit Adlern und Löwen – als ginge es zum Kostümfest. Dazu viele Säbel, mit denen gerasselt, aber kaum gekämpft wurde.

Die tatsächlichen Kämpfe sind geprägt von der Vernichtungskraft moderner Waffen. Effektive Hinterlader-Gewehre, Schrapnellgeschosse, die Köpfe wegschießen, fette Bomben, die Straßenzüge durchlöchern. Technik ist der Triumph des industriell erstarkten Deutschlands, das sich mit den Namen Krupp, Siemens, Borsig verbindet. Es erscheint nur zu passend, dass sich das Musée de l’Armée im Hôtel des Invalides befindet, in jenem splendiden Palast, den der Sonnenkönig einst für seine versehrten Veteranen geschaffen hatte, heute überstrahlt von der großen Kuppel des Invalidendoms, die sich über dem kleinen Napoleon in seinem Sarg wölbt. Von dieser Kuppel aus hat man einen grandiosen Blick über die Stadt, in der noch die Verteidigungswälle auszumachen sind, die damals alle nichts mehr nützten.

Die Belagerung des aufständischen Paris im Frühjahr 1871, 132 Tage lang, mit heftigem Beschuss, trieb die Bewohner unter die Erde. "Ich habe mich daran gewöhnt, in diesem Loch zu leben", notierte ein Pariser, "und wenn alles vergeblich sein sollte, will ich hier auch bleiben." Überirdisch aber gab es, unter vermutlich wackelnden Kronleuchtern, nach Empfehlung prächtig geschmückter Speisekarten "Bombes Glacées à la Krupp".