Am 120. Tag seiner Amtszeit beginnt für den amerikanischen Präsidenten ein neues Spiel. Nachdem er am Wochenanfang in Washington den türkischen Präsidenten Erdoğan empfangen hat, beginnt Donald Trump, der laut eigener Auskunft Auslandsreisen hasst, an diesem Freitag einen gewaltigen Trip mitten hinein in die Weltpolitik.

Es ist sein erster Auslandsbesuch. Trump wird neun Tage unterwegs sein und fünf Stopps einlegen: Vom saudischen Riad geht es zunächst nach Jerusalem, dann zum Papstbesuch in den Vatikan, nach Brüssel zur Nato und schließlich nach Sizilien zum G7-Treffen der sieben mächtigsten Wirtschaftsnationen.

Es wird das erste Wochenende seit Monaten sein, das der leidenschaftliche TV-Gucker, Twitterer und Golfer Trump nicht in seinem Resort Mar-a-Lago in Florida verbringen kann.

Wie wird es ausgehen, wenn Trump auf die Welt trifft, wenn Männlichkeit auf Wirklichkeit prallt, wenn seine Parole "America first" dem Schock einer komplexen Wirklichkeit ausgesetzt wird?

Die erste Reise eines Präsidenten ist immer eine kodierte Botschaft an die Welt. Partner wie Feinde werden in den Kondensstreifen der Air Force One zu lesen versuchen.

Wenn es nach den Planern im Weißen Haus geht, gibt es drei klare Aussagen: Trump schafft eine Allianz gegen den "Islamischen Staat" und den Iran. Trump sichert Israel bedingungslose Unterstützung zu. Und: Er holt sich beim Abstecher in Rom den päpstlichen Segen für den Kampf gegen die islamistische Terrororganisation IS. Anschließend übernimmt er dann im westlichen Bündnis die Führung.

So weit der Plan. Doch der Präsident, der Amerikas Führungsanspruch erneuern will, wird sich unter lauter Partnern wiederfinden, die auf amerikanische Führerschaft nicht mehr warten, sondern selbstbewusst ihre eigenen Interessen verfolgen. Sie werden Trump schmeicheln, sie werden ihm prächtige Empfänge bereiten, um ihn dann möglichst für ihre eigene Agenda einzuspannen. Keiner weiß, ob das bei einem Erratiker wie Trump funktionieren kann. Doch die Einsätze sind hoch: Von der saudischen Zeitung Al-Masdar wurde ein Regierungsdokument geleakt, das die Kosten des Besuchs für die saudische Seite auf 68 Millionen Dollar beziffert. Weltrekord! Trump dürfte das gefallen.

Andernorts wird schon präventiv an der Eindämmung des Unberechenbaren gearbeitet. Ein hochrangiger Nato-Beamter sagte dem außenpolitischen Fachblatt Foreign Policy: "Wir bereiten uns auf den Aufprall vor." Mit Rücksicht auf die kurze Aufmerksamkeitsspanne des Präsidenten habe man die Redebeiträge der Staatsoberhäupter beim Nato-Treffen auf zwei bis vier Minuten beschränkt. Und das übliche Abschlussdokument wurde vorsorglich von der Tagesordnung gestrichen, weil man irrlichternde Einlassungen Trumps fürchtet.

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Der Porzellanladen trifft in klammer Panik Vorsorge für die Ankunft des Elefanten. Aber es geht hier um viel mehr als um die Bewahrung des diplomatischen Tafelgeschirrs, das aus Dilettantismus, Impulsivität oder schierer Unkonzentriertheit zerdeppert werden könnte.

Es ist Teil des Trump-Phänomens, dass die Maßstäbe zur Beurteilung seiner Politik hoffnungslos verrutscht sind. Die Erwartungen an diese Präsidentschaft sind nach drei Monaten so gering, dass bereits das Ausbleiben eines Fehltritts als Erfolg, als Anzeichen einer Normalisierung, als Ankommen im Amt gefeiert wird. So sagt einer der prominentesten außenpolitischen Vordenker der USA, Richard Haass vom Council on Foreign Relations: "Wenn die Reise einfach normal verläuft, dann ist das ein Erfolg."

Der Rezensentenblick des außenpolitischen Establishments, das Trump danach beurteilt, ob er eine pannenfreie amerikanische Außenpolitik macht, ist selbst Teil des Problems.

Trump hat einen seiner Berater gegenüber einer saudischen Zeitung sagen lassen: "Diese Reise wird demonstrieren, dass die Agenda des Präsidenten – 'America first' – vollständig kompatibel ist mit der Führungsrolle Amerikas in der Welt." Man kann das etwa so übersetzen: Die Reise soll das außenpolitische Erbe Obamas gewissermaßen überschreiben und zum Verschwinden bringen. Das ist der tiefere Sinn der Reiseroute.