Es ist anzunehmen, dass Papst Franziskus die US-Fernsehserie The Apprentice (dt. Der Auszubildende) nicht kennt, in der Donald Trump bis vor einiger Zeit als Moderator wirkte. "You are fired" lauten die geflügelten Worte, mit denen der heutige US-Präsident dort den Lehrlingen kündigte. Es gibt Menschen im Vatikan, die fühlen sich in diesen Wochen an die Fernsehserie erinnert, wenn sie beschreiben sollen, wie Franziskus mit seinem Personal umgeht.

Drei Mitarbeiter der Glaubenskongregation, die es wagten, kritisch über den Papst zu sprechen – gefeuert. Dasselbe Schicksal ereilte vor Wochen einen Mitarbeiter der vatikanischen Staatsverwaltung, der zu herrisch mit Untergebenen umgegangen sein soll. Auch der ehemalige Kommandant der Schweizergarde kennt dieses Gefühl, in Ungnade gefallen zu sein. Er musste ebenfalls gehen. Ganz zu schweigen von den Eingriffen des Papstes im katholischen, aber eigentlich souveränen Malteserorden, in dem Franziskus eine umstrittene Neuordnung durchsetzt. Autoritär zu sein, das hat nicht nur der ehemalige New Yorker Immobilienhai und heutige US-Präsident im Repertoire, sondern auch der vielen so mild erscheinende Jorge Bergoglio.

Wenn sich die beiden Männer am 24. Mai erstmals persönlich begegnen, dann ist das auf den ersten Blick dennoch ein Treffen der Gegensätze. Hier der zügellose Kapitalist, dort der befreiungstheologisch angehauchte Argentinier mit Herz für die Armen. Trumps Regierung sieht im Islam eher eine Zielscheibe als einen Gesprächspartner, anders der Papst. Franziskus brachte von seiner Fahrt nach Lesbos im letzten Jahr zwölf muslimische Flüchtlinge mit nach Rom und plädiert für Offenheit gegenüber Immigranten, der Präsident will sie am liebsten ganz aussperren. Während Trump die Ausgaben für das Militär drastisch erhöhen will, schimpft Bergoglio über die Waffenindustrie. Der Papst, so scheint es, verkörpert den Dialog. Der Präsident will die Konfrontation, und das nicht nur mit Nordkorea.

Warum sollen sich diese beiden Antipoden also treffen? Weil Trump es wollte. Schließlich lädt nicht der Papst zu sich nach Hause ein, sondern die Staatschefs sind es, die um Audienz beim Oberhaupt der katholischen Kirche bitten. Dass Trump nun kommenden Mittwoch um 8.30 Uhr im Apostolischen Palast vorstellig wird, bedeutet: Für den US-Präsidenten hat es trotz aller bisheriger Meinungsverschiedenheiten Sinn, den Papst zu treffen. Dieser verweigert Staatschefs, zumal dem US-Präsidenten, keine Audienzen. Bilder mit dem weiterhin populären Franziskus schaden dem im Umfragetief steckenden Trump nicht.

Auch das politische Timing des Treffens ist vielsagend. Mittwochmorgens ist Generalaudienz auf dem Petersplatz, Treffen mit Staatschefs an diesem Tag sind unüblich. Das Weiße Haus drängte aber auf diesen Termin, weil er ausgezeichnet in die Narration der ersten Auslandsreise des US-Präsidenten passt. Sie führt Trump zunächst nach Saudi-Arabien, dann nach Israel und schließlich in den Vatikan. Trumps Berater hoffen, eine Botschaft von "Einheit", "Frieden", "Toleranz" und "Hoffnung" im Hinblick auf das Zusammenwirken der drei großen Religionsgemeinschaften Islam, Judentum und katholischer Kirche zu verbreiten, selbstverständlich unter der Regie des US-Präsidenten. Das klingt so päpstlich und konterkariert auch die bisherige islamfeindliche Haltung der Trump-Administration, dass der Verdacht, es handele sich um eine PR-Maßnahme, kaum von der Hand zu weisen ist.

Böse Zungen behaupten, der Mittwoch habe Trump auch terminlich ausgezeichnet gepasst. Der US-Präsident ist zwei Tage später beim G7-Gipfel auf Sizilien, am Donnerstag besucht er die Nato in Brüssel. Zuvor ist er auf dem Rückflug aus dem Nahen Osten und aus Washingtoner Sicht schon in der Gegend. Den Papst nicht zu besuchen wäre strategisch unklug. Einflussreichen Kritikern, und zu diesen zählt Franziskus, schaut man besser direkt in die Augen, vielleicht schüttelt man ihnen vor den Kameras sogar die Hand. Die persönliche Begegnung, auch wenn sie nur 20 gedolmetschte Minuten dauern sollte, ist der erste Schritt zur Entschärfung.

Kontraste zwischen Papst und Präsident gab es zu Genüge. Es begann mit einem Tweet von Trump nach der Wahl Bergoglios zum Papst im März 2013. Trump fand die Geste des Argentiniers, der am ersten Amtstag sein römisches Hotel, in dem er vor dem Konklave wohnte, eigenhändig bezahlte, "sehr unpäpstlich". Er selbst lebte damals noch in New York in seinem nach ihm selbst benannten Turm mit Luxusapartment.

In Stilfragen könnten die Unterschiede größer nicht sein, wobei eine Gemeinsamkeit darin liegt, dass beide ihre Lebensart auch für ihre politische Mission nutzen. "Ich bin sehr reich", tönt der Nordamerikaner Trump. "Ich bin sehr bescheiden", sagt der Südamerikaner Franziskus unüberhörbar mit jeder seiner Gesten. Auch deshalb beschrieb die "New York Times" die beiden zu Recht als "die berühmtesten Populisten der Welt". Beide haben Talent für Kommunikation und nehmen es mit den Worten nicht immer so genau. Beide sind an die Spitze gespülte Outsider im Kampf gegen das jeweilige Establishment und haben vor allem mit Kritikern in den eigenen Reihen zu kämpfen. Der christliche Fanatismus, den manche Berater des US-Präsidenten verkörpern, ist Trump eigentlich fremd. Der Presbyterianer war vor der Kandidatur aufgeschlossen für Abtreibung, er ist in dritter Ehe verheiratet und erkennt in Religion heute eher ein Mittel für politische Zwecke.

Inhaltlich trennt Bergoglio und Trump vor allem die Flüchtlingsfrage, in ihrem Schlagabtausch über Trumps Plan des Baus einer Mauer an der Grenze zu Mexiko bezichtigte Franziskus den künftigen US-Präsidenten, "nicht christlich" zu sein. Trump fand das "schändlich". In seiner Enzyklika Laudato si kritisiert Franziskus Klimawandel und Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Trump will fossile Energien fördern und hält den Klimawandel für eine Verschwörung, wie überhaupt der Papst für Trump im Ruch steht, eine dieser linksintellektuellen Speerspitzen zu sein, gegen die der US-Präsident schon viel Kraft aufgewendet hat. Dem in einigen Ansichten, etwa der Gender-Frage oder der Abtreibung, sehr konservativen Bergoglio wird er damit nicht gerecht.

Auffällig ist, dass es sich um völlig untypische Kontraste zwischen Vatikan und Weißem Haus handelt. Das hat vor allem mit den tektonischen Verschiebungen der Prioritäten zu tun, die Bergoglio in der katholischen Kirche bewirkt. Dass sich der Papst und der Präsident sympathisch sind, darf bezweifelt werden. Aber Bergoglio hätte in Trump gewiss einen dankbaren Zuhörer für einen Witz, den er derzeit gerne zum Besten gibt: "Was ist der Unterschied zwischen einem Terroristen und einem Liturgiker, also einem Wächter über die rechte Form der Messfeier? Mit dem Terroristen kann man verhandeln." Falls Trump den Witz versteht, ist es gut möglich, dass beide in schallendes Gelächter ausbrechen.