Am Morgen, als der französische Präsident Emmanuel Macron seine Geschäfte aufnimmt, ist der französische Gründer Thibault Lanxade voller Endorphine: "France is back!", ruft er. In seiner Branche, dem Big Data Business, wird dauernd Englisch gesprochen. Heute empfängt der 46-Jährige im Kommandoraum der französischen Wirtschaft.

Lanxade ist zugleich Vizepräsident von Frankreichs einflussreichstem Unternehmerverband Medef, dessen Konferenzraum nur wenige Schritte vom Eiffelturm entfernt liegt und einer ritterlichen Tafelrunde gleicht: 40 Stühle für die Vorstandsmitglieder, ohne Fenster, wie im Inneren einer Burg, mit alten Fotos von Windrädern an der Wand, aus den Tagen, als diese noch von Modernität kündeten. Lanxade ist überzeugt, dass in diesem Raum schon heute ein neuer, offener Geist herrscht. "Frankreich hat seine Dynamik und seinen Reformwillen wiedergefunden", sagt er. "Wir wollen Europa wieder nach vorn bringen. Das Land und seine Unternehmer sind voller Hoffnung."

Hört man dem Unternehmer Lanxade zu, könnte man meinen, er sei Macrons Sprecher. Doch das ist Frankreich: Man schämt sich auch als Unternehmer nicht, stolz auf einen neuen Präsidenten zu sein. "Wir haben solche Lust, an ihn zu glauben!", formuliert es Lanxade mit verblüffender Ehrlichkeit.

Im Sommer sollen Kündigungen erleichtert werden – die Unternehmer jubeln

Emmanuel Macron muss gelingen, woran viele Politiker in den vergangenen Jahrzehnten scheiterten. Er muss die Staatsschulden endlich in den Griff bekommen und die Massenarbeitslosigkeit, die zuletzt 10 Prozent betrug, deutlich senken. Daran wird er gemessen, und noch trauen ihm viele zu, erfolgreich zu sein. Es muss jetzt nur noch losgehen. Die ersten Reformschritte Macrons sind fest geplant, unabhängig vom Ausgang der Parlamentswahlen im Juni. Macron will noch im Sommer das umstrittene französische Arbeitsrecht lockern, also Kündigungen erleichtern, damit in Zukunft mehr Mitarbeiter angestellt werden. Das ist die wichtigste seiner Reformen. Dagegen werden ein Teil der Gewerkschaften und der politischen Linken demonstrieren. Kein französischer Präsident hat ihren Protesten bisher ohne Zugeständnisse standgehalten. Doch Macron ist für die Auseinandersetzung mit der Straße besser gerüstet als alle seine Vorgänger. Unternehmer, ein Teil der Gewerkschaften, Thinktanks und erfolgreiche Städte wie Bordeaux unterstützen sein Programm. Eigentlich, sagen die meisten Beobachter, sollte dieses Mal nichts schiefgehen.

Beim Unternehmerverband verspürt man geradezu Euphorie. "Seine Richtung, seine Ziele entsprechen genau dem, was wir wollen", sagt Vize Lanxade. Damit meint er drei Dinge: Erstens das Macron-Programm, das Unternehmen einen einzigen staatlichen Ansprechpartner und damit viele administrative Vereinfachungen verspricht. Zweitens sein Plan, die Unternehmenssteuern von 33 Prozent auf 28 Prozent zu senken, und drittens die Flexibilisierung des Arbeitsrechts samt den umstrittenen Lockerungen des Kündigungsschutzes.

Hinzu kommt die Erlaubnis, Arbeitszeiten auf Unternehmensebene zu verhandeln. Für den Medef reicht das, um schon heute eine "neue Investitionswelle mit spürbarem Effekt auf das Wachstum des Bruttosozialprodukts im vierten Quartal 2017" vorherzusagen. Als könnte der Präsident Wachstum nach Plan garantieren.

Die stärkste Gewerkschaft will mit Macron die Unternehmenskultur verändern

Auf der anderen Seite von Paris, im Stadtteil Belleville, sind die Gewerkschaftsführungen naturgemäß vorsichtiger. Ihre Mitglieder sind traditionell aufmüpfig. Dennoch unterstützt die seit den letzten Belegschaftswahlen im Frühjahr stärkste Organisation, der Gewerkschaftsbund CFDT, den neuen Präsidenten hinter vorgehaltener Hand fast ebenso begeistert, wie es die Unternehmer tun. Der 48-jährige Generalsekretär Laurent Berger bleibt diplomatisch: "Die CFDT wird weder ein braver Verbündeter noch eine Fundamentalopposition sein." So ausgleichend beschreiben sich nicht alle Arbeiterführer. Denn Bergers Konkurrenzorganisationen, die klassenkämpferisch gesinnten Gewerkschaften CGT und FO, sind genau das: Fundamentalopposition. Sie werden gegen Macrons neues Arbeitsrecht demonstrieren, die CFDT nicht.