Der Anfang

2003

Die Geschichte beginnt drei Jahre vor der Gründung der HSH Nordbank. Um die Jahrtausendwende klagen die Privatbanken gegen die öffentlich-rechtlichen Banken. Die Landesbanken hätten einen unfairen Wettbewerbsvorteil: Die Länder haften mit der sogenannten Gewährträgerhaftung für mögliche Verluste ihrer Banken, darum können diese sich günstiger Geld leihen als die private Konkurrenz. Die EU-Wettbewerbshüter entscheiden, die Gewährträgerhaftung soll abgeschafft werden – allerdings erst 2005. Den Landesbanken droht ihr Geschäftsmodell wegzubrechen, das vor allem darin besteht, Geld günstig zu leihen und teuer weiterzuverleihen. Das SPD-regierte Schleswig-Holstein und das CDU-regierte Hamburg beschließen daher 2003, ihre Landesbanken zu fusionieren und die gemeinsame neue Bank an die Börse zu bringen. In einem Staatsvertrag wird festgehalten: Die HSH Nordbank wird eine internationale Geschäftsbank, die unter anderem mit Schiffskrediten und innovativen Finanzprodukten handelt. Beide Parlamente verabschieden den Vertrag einstimmig.

Die fusionierten Banken und ihr Kreditvolumen

Quelle: HSH Nordbank; Geschäftsberichte Stadt Hamburg; eigene Berechnung © ZEIT-Grafik: Anne Gerdes

2005

Die Länder möchten die Bank attraktiv für Investoren machen, der Bankvorstand setzt das Ziel: mehr als 15 Prozent Eigenkapitalrendite. Die Bank bietet Reedern und Fondshäusern Schiffskredite zu unschlagbaren Konditionen an, berichten diese. An den Börsen schmunzelt man, die Landesbank kaufe schlicht alles, hochkomplizierte Wertpapiere mit Abkürzungen wie CDO, CDS oder ABS. Der Grund: Die Bank hat sehr viel Geld. Bis zum 18. Juli 2005 bürgen die Länder wegen der Gewährträgerhaftung noch für ihre Schulden. Das nutzt sie, um sich günstig mit Kapital einzudecken. Allein in den letzten sechs Monaten vor Fristende besorgt sich die HSH an den Kapitalmärkten 17 Milliarden Euro, obwohl sie dafür noch gar keine Anlagemöglichkeiten hat. Für die Länder lohnt sich das Abenteuer zunächst: Zwischen 2003 und 2007 verbucht Hamburg abzüglich aller Kosten Einnahmen von etwa 300 Millionen Euro, in Schleswig-Holstein sind es 180 Millionen Euro.

2007

Die Wertpapiere mit den Buchstabenkürzeln verlieren 1,3 Milliarden Euro an Wert. Um die Bilanz aufzuhübschen, versucht der Vorstand, über komplizierte Geschäfte Kredite in Milliardenhöhe in Tochtergesellschaften im Ausland zu schieben. Später urteilt ein Gericht über eines dieser Geschäfte mit dem Namen Omega 55, es sei "insgesamt sinnlos" gewesen. Die Bank erlitt damit letztlich mehrere Hundert Millionen Euro Verlust.

Quelle: HSH Nordbank; Geschäftsberichte Stadt Hamburg; eigene Berechnungen © ZEIT-Grafik: Anne Gerdes

Finanzkrise

Ihre Renditeziele will die Bank erreichen, indem sie das mit Ländergarantien günstig geliehene Geld in hoch rentable Wertpapiere steckt, in denen andere Banken ihre Risiken gestückelt, verbrieft und verkauft haben. Insgesamt hat das Portfolio mit Finanzinstrumenten Ende 2007 ein Volumen von etwa 30 Milliarden Euro. In der Finanzkrise stellt sich heraus: Die Papiere sind nicht nur hochrentabel, sondern auch hochriskant. Es wird klar, dass die HSH ohne Rücksicht auf die Risiken gewachsen ist: Auf vier Mitarbeiter, die mit Wertpapieren oder Krediten handelten, kam damals einer, der die Risiken kontrollierte. Bei anderen Banken war das Verhältnis eins zu eins.

2008

Wegen der Finanzkrise wird der für 2008 geplante Börsengang abgesagt. Die Bank aber braucht Geld, im Frühjahr geben ihr die Eigentümer zwei Milliarden Euro neues Kapital. Doch das reicht nicht lange. Im September bricht die amerikanische Bank Lehman Brothers zusammen, kurze Zeit später steht auch die HSH Nordbank vor der Pleite. Hohe Verluste mit Wertpapieren zehren das Kapital auf. Der Bankenrettungsfonds muss einspringen. Er tut das allerdings nur unter der Auflage, dass die Eigentümer weiteres frisches Kapital in die Bank geben.