In Washington gerät Donald Trump von einer politischen Krise in die nächste. Doch eines seiner wichtigsten Versprechen erfüllt der neue Präsident bisher: Er schafft Jobs. Seit seiner Amtsübernahme Ende Januar hat die US-Wirtschaft 525 000 neue Stellen geschaffen. Die Arbeitslosenquote ist im April auf 4,4 Prozent gefallen, so niedrig war sie in den vergangenen zehn Jahren nicht. Volkswirte definieren eine Quote in diesem Bereich als Vollbeschäftigung.

Die Investoren feiern Rekorde, und das Vertrauen der Konsumenten in die Wirtschaft steigt

Das Land mag politisch so geteilt sein wie selten in seiner jüngeren Geschichte. Das trübt jedoch offenbar nicht die wirtschaftliche Stimmung. Das Vertrauen der Konsumenten, das die Universität von Michigan ermittelt, ist gestiegen. Das Stimmungsbarometer verbesserte sich auch Monate nach der Wahl weiter, zur Überraschung der Ökonomen. Auch die Unternehmenschefs schauen deutlich optimistischer als unter Barack Obama in die Zukunft. Bei der aktuellsten Umfrage des Business Round Table, eines Manager-Verbandes, nahm die Zuversicht der Bosse so stark zu wie seit dem Ende der Großen Rezession nicht. An der Börse feiern Investoren seit Trumps Wahl einen Rekord nach dem anderen.

Die Börsenzahlen nehmen den Befreiungsschlag vorweg, den Trump den Unternehmen zugesichert hat. Um das Jobwachstum anzukurbeln, will der neue Präsident die Regulierungen seines Vorgängers rückgängig machen. Trump hat angekündigt, so viele Vorschriften zu streichen wie kein Präsident vor ihm. So will er Obamas Gesetze zur Kontrolle des Finanzsektors zurücknehmen, die Umweltauflagen einstampfen, mehr Öl- und Erdgasförderung genehmigen und Medikamente schneller zulassen. Und er will die Steuern massiv senken. Das soll die US-Wirtschaft schneller wachsen lassen. Über drei Prozent Wirtschaftswachstum peilt Trump an. In den ersten Monaten seiner Amtszeit lag die Wachstumsrate, auf Jahresbasis gerechnet, allerdings unter einem Prozent. Das ist deutlich weniger als der Zuwachs von zwei Prozent, den die Euro-Zone im selben Zeitraum meldete.

Und es gibt Zweifel am langfristigen Erfolg von Trumps Rezepten. Steuersenkungen etwa würden die Staatskasse zwischen drei und fünf Billionen Dollar über die ersten zehn Jahre kosten. Ausgeglichen werden sollen diese Ausfälle durch Wachstum. Trumps Kalkül: Die niedrigeren Steuern animieren die Haushalte zu mehr Ausgaben, und die dadurch steigende Nachfrage treibt die Unternehmen zu Investitionen und zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Mehr Jobs und mehr Gewinne wiederum gleichen den Ausfall an Steuern aus.

Das hatten erst Ronald Reagan und später George W. Bush versucht. Beide Male ging die Rechnung nicht auf und die US-Regierung musste sich die fehlenden Mittel über eine steigende Staatsverschuldung holen. Das trifft wiederum die Bürger. Je höher die Ausgaben für den Schuldendienst sind, desto weniger bleibt für anderes – etwa für Bildung, Gesundheitsversorgung und Sozialleistungen. Das Problem der sozialen Ungleichheit würde sich weiter verschärfen.

Von überholten Vorstellungen geleitet sind auch Trumps Maßnahmen für die heimische Industrie. Jobs in der Produktion sollen erhalten werden, indem die Konkurrenz durch Importe beschränkt wird. Trump will Strafzölle etwa für Stahl aus Deutschland. Dabei übersieht er, dass nur noch 8,5 Prozent der Beschäftigten in den USA in der Produktion arbeiten. Die meisten Amerikaner sind heute Dienstleister.

Dort hat mit Macht die Online-Konkurrenz Einzug gehalten. Kaufhäuser und Einkaufszentren melden fast wöchentlich neue Umsatzeinbrüche und Massenentlassungen. Seit Oktober haben 89.000 Beschäftigte im Einzelhandel ihren Job verloren – das sind mehr, als es Bergarbeiter in den US-Kohleminen gibt. Deren Arbeitsplätze hat Trump zu retten versprochen. Die Krise im Einzelhandel hat er nicht einmal erwähnt. Für die Opfer der Digitalisierungswelle hat er offenbar kein Rezept.

Trumps Versprechen haben zwar die Stimmung in der US-Wirtschaft erst einmal befeuert. Doch es droht ein Strohfeuer zu werden. Es ist wenig wahrscheinlich, dass Trump seine Ideen überdenkt, wenn die Folgen seiner fehlgeleiteten Steuer- und Handelspolitik spürbar werden. Wahrscheinlicher ist es, dass der Präsident stattdessen noch stärker auf Protektionismus setzen wird. Spätestens dann trifft das Strohfeuer auch den Exportweltmeister Deutschland.