Mark Zuckerberg spendet sehr viel Geld

Er gründete mit 20 ein Imperium, enterte mit 26 die Liste der Reichen und Einflussreichen des Time Magazine und beschloss mit 31, fast sein gesamtes Vermögen zu spenden: Mark Zuckerberg. Der Mann hat nicht nur Facebook erfunden für mittlerweile fast zwei Milliarden "Freunde", er ist auch Autor bedeutungsschwerer Facebook-Posts. Zur Geburt seines ersten Kindes schrieb er mit seiner Frau einen "Brief an unsere Tochter" und verkündete, er werde nach und nach 99 Prozent seiner Facebook-Anteile einem guten Zweck zuführen. Klingt super. Richtig gut. Ein Mann, der sein Vermögen hergibt. Doch was ist mit der Tochter? Ob sie sich später über ihre Geburtsanzeige freut? Bald bekommt sie eine Schwester. Dazu schrieb Zuckerberg: "Wir können es nicht erwarten, eine weitere starke Frau großzuziehen." Über Töchter freut man sich also im Namen der Emanzipation. Pränatal werden Anforderungen ans Kind (Stärke!) formuliert.

Noch zweifelhafter sind die Details seiner Spenden-Konstruktion. Zuckerberg gibt seine Aktien nicht an eine gemeinnützige Stiftung, sondern an eine Kapitalgesellschaft, ähnlich einer GmbH. Sein Ziel: möglichst frei zu entscheiden, was mit dem Geld passiert. Er kann es an gemeinnützige Organisationen, aber auch an Politiker oder gewinnorientierte Unternehmen geben. Eigentlich hat er sein Geld nicht gespendet, sondern lediglich umgeschichtet in ein Investmentvehikel. Damit will er in den kommenden hundert Jahren unter anderem alle Krankheiten besiegen. Ja: Das Gute gibt es auch als Größenwahn. Lisa Nienhaus

Jürgen Todenhöfer will den Weltfrieden

Jürgen Todenhöfer war CDU-Bundestagsabgeordneter und Burda-Manager, jetzt ist er Kundschafter des Weltfriedens: "Weil man die Wahrheit nur vor Ort findet." Also fährt er hin, wo gebombt wird, vornehmlich in den Nahen Osten. Dann berichtet er, dass kein Krieg gerecht sei, er selbst viel Leid gesehen und Hilfsgüter verteilt habe und außerdem über eine Strategie verfüge. Oft sind die USA schuld. Überhaupt richtet er das Wort gern an die Mächtigen der Welt, "unseren Politikern sage ich", "und zu Trump: ...", "wir wollen mit diesem Video der Welt die Augen öffnen", "Hallo, Deutschland! Hallo, Türkei!". Leider ist Todenhöfer ein Beispiel dafür, dass man auch "vor Ort" Scheuklappen tragen kann. So schreibt er von der "überholten Mär vom Kampf edler Rebellen um Demokratie und Freiheit" – als ob es keine moderaten syrischen Rebellen gäbe. Ein Schlag ins Gesicht dieser Menschen, die es durchaus gibt. Todenhöfer will alles sein: Journalist (er ist jetzt Herausgeber des Freitags), Aktivist, Globalpolitiker, Welterklärer, das personifizierte schlechte Gewissen des Westens, die Ein-Mann-UN. Die gute Nachricht: Es ist möglich, für den Frieden zu sein, ohne Todenhöfer-Fan zu werden. Yassin Musharbash

Charlie Servigne versteckt Flüchtlinge

Charlie Cervigne kämpft wie ein Löwe für Flüchtlinge. Soeben hat der Pfarrer zum offenen Rechtsbruch aufgerufen. Denn Eritreer und Afghanen baten ihn um Kirchenasyl, zwölf nahm er auf. Er ist ein mutiger Guter, und Asyl gibt er schon lange. Er ließ Verstecke in ein Haus bauen, wie einst bei Anne Frank. Damit seine Schützlinge sich nicht eingesperrt fühlen, fährt er mit ihnen sogar zum Kirchentag. Vor zwei Jahren ging es nach Stuttgart – und die Polizei schaute absichtlich weg.

Cervigne ist 57 Jahre alt und seit 28 Jahren evangelischer Pfarrer in Aldenhoven bei Aachen. Neulich wurde er nachts vor seiner Haustür zusammengeschlagen, die Täter blieben unerkannt. Ging es gegen seine Kritik am Asylrecht? Er sagt: "Afghanistan soll ein sicheres Land sein? Dass ich nicht lache!" Er kam nach Aldenhoven, als sein Vorgänger Jürgen Fliege von hier zum Fernsehen ging. Neben der Gemeindearbeit hat er einen Block mit Sozialwohnungen gebaut. Er gibt an drei Schulen Religionsunterricht, um einen Sozialarbeiter zu finanzieren. "Ich liebe die Menschen nun mal, ich bin vernarrt in sie wie ein Idiot." Warum? "Vielleicht, weil ich selber aus einer armen Familie komme." Wolfgang Thielmann

Jan Bredack verkauft vegane Produkte

Jan Bredack ist ein Guter. Schon früh erkannte er das wachsende Bedürfnis vieler Menschen, sich vegan zu ernähren. Also gründete er 2011 in Berlin die Supermarktkette Veganz – wo es von Sojawürstchen bis zu tierversuchsfrei getesteten Kondomen einfach alles gab, was das vegane Herz begehrt. Ethisch korrekter Konsum ist in. Also eröffnete Bredack, heute 45, Filialen in weiteren Städten. Und er sah, dass es gut war.

Andere sahen das nicht so. In den ersten Jahren, so erzählt es Bredack, hätten ihm radikale Veganer regelmäßig nachts die Schaufenster mit Pflastersteinen eingeschmissen. Einer stürmte sogar in eine Filiale und versprühte stinkende Buttersäure. Auch im Internet bekam Bredack zeitweise den vollen Hass von Linken und Tierrechtsaktivisten zu spüren. Für die war er nämlich einer von den Bösen: smarter Karrieretyp, schnell aufgestiegen als Manager beim Autokonzern Daimler, parallel dazu ein Wirtschaftsstudium in St. Gallen, mit Ende dreißig Burn-out-Patient, aber als Unternehmer wiederauferstanden. Er passte nicht ins linksextreme Weltbild, das den Veganismus auch als eine Form von Kapitalismuskritik sieht. Groß werden sollte die Idee zwar schon. Aber bitte nur ideologisch, nicht finanziell. Bredack sieht die Sache inzwischen entspannt. Einige seiner Veganz-Filialen sind mittlerweile geschlossen, aber nicht wegen der Attacken, sondern weil er sich stärker auf den Online-Vertrieb seiner veganen Produkte konzentrieren will. Marcus Rohwetter