Das Verderben schmeckt süß, und es kommt ganz harmlos daher. Man findet es in jedem Supermarkt in verschiedensten Geschmacksrichtungen und vielfältigsten Ausführungen. Und es kostet so wenig, dass es sich jeder leisten kann. Ein, zwei Cola – am besten noch eisgekühlt? Schnell gekauft.

Genau das ist das Problem. Denn wer regelmäßig zuckergesüßte Getränke zu sich nimmt, der wird schneller übergewichtig oder sogar adipös und riskiert Folgen wie Diabetes, Krebs oder Herzinfarkte. Diese Zusammenhänge sind eindeutig belegt, und sie sind seit Langem bekannt.

Nun haben Forscher der American Cancer Society eine neue Tendenz gefunden. Sie hatten die Preise für Coca-Cola zwischen 1990 und 2016 untersucht und dabei gesehen, dass der Softdrink in 79 von insgesamt 82 untersuchten Staaten im Vergleich zu Wasser immer erschwinglicher geworden ist. "Ein Mensch konnte letztes Jahr 71 Prozent mehr zuckergesüßte Getränke von seinem Einkommen kaufen, als er dies noch im Jahr 1990 von einem entsprechend geringeren Einkommen vermochte", fasst Jeffrey Drope, einer der Studienautoren, das Ergebnis zusammen. Die ohnehin schon niedrige Hemmschwelle, die Süßbrause zu kaufen, ist also noch weiter gesunken. Und gleichzeitig haben die Menschen einen geringeren Anreiz, Wasser zu trinken.

Genau das durfte eigentlich nicht sein, darüber sind sich Experten einig. Mit Zucker gesüßte Getränke müssen teurer werden, um die Menschen davon abzuhalten, mehr und mehr davon zu trinken. In Deutschland werden inzwischen 80 Liter Softdrinks pro Kopf und Jahr konsumiert. Damit gehören wir zu den Spitzenreitern im internationalen Vergleich.

Die neue Studie der Amerikaner macht nun eines ganz deutlich: Man darf nicht darauf warten, dass sich dieses Problem von alleine löst. Wie soll das auch passieren, wenn Brausehersteller allgegenwärtig sind mit ihren Getränken, die unglaublich gut schmecken und dabei auch noch erfrischen, wie es die Werbung suggeriert?

Man muss nun nicht die Schreckensbilder auf Zigarettenpackungen nachahmen und auf den Etiketten von Cola-Flaschen Menschen zeigen, die sich an die Brust fassen, weil sie gerade einen Herzinfarkt erleiden. Aber irgendetwas muss geschehen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO ist letztes Jahr schon konkret geworden. Sie hat ihren Mitgliedsstaaten geraten, eine Zuckersteuer einzuführen. Eine gute Idee – sofern gesunde Lebensmittel gleichzeitig von der Steuer befreit werden. Das würde die Hemmschwelle erhöhen, Softdrinks zu kaufen. Und es würde den Menschen etwas bewusst machen, was sie eigentlich wissen, sich aber oft nicht klarmachen, wenn sie einkaufen gehen: dass einige Lebensmittel gesünder sind als andere. Und manche richtig ungesund.