Solarworld war der letzte große europäische Hersteller von Solarpanels, seit vergangener Woche steht er vor dem Aus. Als der Gründer Frank Asbeck die Insolvenz verkünden musste, verband er das mit einem Vorwurf: Nicht seine unternehmerischen Fehlentscheidungen seien schuld an dem Desaster, sondern die Chinesen. Deren Regierung habe die eigene Solarindustrie so stark gefördert, dass deutsche Hersteller chancenlos gewesen seien. Wenn nun im thüringischen Arnstadt, im sächsischen Freiberg und im US-Staat Oregon mehr als 3.000 Solarworld-Mitarbeiter ihren Job verlieren, dann liegt das also – laut Asbeck – nicht an Asbeck, sondern an China.

Richtig ist, dass die chinesische Regierung ihre Solarbranche von Beginn an massiv gefördert hat. Nur ist damit die Geschichte nicht zu Ende. Denn die Förderung von erneuerbaren Energien ist ja keine chinesische Spezialität, gerade in Deutschland wurde genau das lange vorgemacht. Hätte die Bundesregierung nicht bereits 1991 das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erfunden und eingeführt, das die Einspeisung von Strom aus Sonne, Wind und Wasser subventioniert, dann gäbe es heute nicht halb so viele Solarpanels auf deutschen Dächern. Dann wäre wohl auch die Fotovoltaik generell nicht halb so weit entwickelt, wie sie es heute ist. Und dann hätte es Firmen wie Solarworld nie gegeben, jedenfalls nicht in dieser Größe.

Es gibt allerdings einen wichtigen Unterschied zwischen der chinesischen und der deutschen Förderung der grünen Energiebranche: Die Bundesregierung hat immer die Nachfrage nach erneuerbaren Energien subventioniert und damit nicht nur deutschen, sondern Solarunternehmen aus aller Welt einen Markt eröffnet. Denn woher die Anlagen auf den deutschen Dächern kamen, war egal. Entscheidend war, dass es für die Deutschen genug Anreize gab, sich die Panels überhaupt aufs Dach zu schrauben, die Einspeisevergütung etwa.

Die Chinesen dagegen haben sowohl die Nachfrage als auch das Angebot staatlich gestützt: die Nachfrage, indem sie die Massenproduktion von Solarpanels durch riesige Staatsaufträge für chinesische Firmen anheizten. Und das Angebot, indem sie die eigene Industrie schützten und päppelten: durch kostenloses Bauland für Solarfabriken, billige Kredite und niedrige Arbeitskosten. Schon weil die Arbeiter ja nicht für höhere Löhne streiken dürfen. Und genau darin liegt das Problem.

Wenn ein Land seinen Markt für die Produkte von Ausländern geschlossen hält – und zugleich seine Produkte durch allerlei Tricks sogar unter dem Herstellungspreis im Ausland verkauft, dann widerspricht das nicht nur den Grundsätzen des freien Handels. Dann weckt das auf Dauer auch Widerstand bei der internationalen Konkurrenz und deren Mitarbeitern, spätestens wenn das Angebot übermächtig wird. Und genau das ist in den vergangenen Jahren mit chinesischen Produkten passiert – und es passiert bis heute, besonders beim Stahl und bei den Solarpanels. In beiden Branchen hat China auch noch sehr viele Unternehmen hochgepäppelt, die schon seit einer Weile viel zu große Mengen produzieren und eigentlich pleitegehen müssten, aus politischen Gründen aber subventioniert und künstlich am Leben gehalten werden. Und die deswegen ihre Produkte besonders billig auf dem Weltmarkt anbieten können.

Die EU billigt den Chinesen deswegen bei der Welthandelsorganisation bis heute nicht den begehrten Status einer Marktwirtschaft zu. Und sie hat auch die chinesischen Solarmodule nach langwierigen Untersuchungen wegen Dumpings mit Strafzöllen belegt: Um die Europäischen Unternehmen vor der unfairen Konkurrenz zu schützen und ihnen ein Überleben zu ermöglichen.