Trump feuert seinen FBI-Direktor, und die Erinnerung an "Tricky Dick" flammt auf. Richard Nixon wurde zwar nicht amtsenthoben, aber 1974 zum Rücktritt gezwungen.

Was Watergate mit James Comey zu tun hat? Erst mal gar nichts. Es ist das gute Recht des Präsidenten, den FBI-Chef zu schassen, obwohl der traditionsgemäß zehn Jahre im Amt kriegt. Ja, Comey hatte peinliche Ermittlungen zur "Russian Connection" befehligt. Zusammen mit dem Kreml hätten Trumps Unterlinge den Wahlkampf manipuliert. Watergate II? Noch nicht.

Ein Feuerwerkskörper ist da geplatzt, nicht die Bombe namens "Samstagnacht-Massaker", die Nixon das politische Leben kosten sollte. Er wollte den Sonderermittler loswerden, der alle Bänder über Gespräche im Oval Office angefordert hatte. Statt den Mann zu feuern, traten der Justizminister und sein Vize zurück. Und Nixon musste sich dem Supreme Court beugen. Die Aufzeichnungen bewiesen seine Schuld am Einbruch in die Wahlkampfzentrale der Demokraten und dessen Vertuschung. Ab nach San Clemente, wiewohl gediegen in der Air Force One.

Trumps Problem ist (bislang) nur ein politisches – aber eines, das wie im Brennglas alle Zweifel an ihm bündelt: das Unbedachte und Umsichschlagen, die Beratungsresistenz, die Drohgebärden, die schrille, schillernde Rhetorik. Sein Stabschef hatte ihn gewarnt: Erst nachdenken, statt Comey gleich zu meucheln. Es half nichts. Trump sei ein "Ad-hoc-Präsident", schreibt der Publizist Michael Warren. "Seine Entscheidungen fallen jetzt und sofort, und seine Gehilfen müssen lostoben, um sie als vernünftige Politik zu verkaufen."

Trump twittert, dass Comey besser den Mund halten solle, weil er, Trump, "womöglich" sein Gespräch mit ihm aufgezeichnet habe. Das Band gibt es nicht. Dann der nächste Kanonenschlag. Die Washington Post berichtet von einer neuen "Russian Connection": Der Präsident habe dem russischen Außenminister und dessen Botschafter Hochgeheimes über den IS und dessen Anschlagspläne verraten. Zu solchen Staatsgeheimnissen hat im eigenen Haus nur ein winziger Kreis Zugang. Verbündete blieben auch im Dunkeln.

Was macht Trump? Erst einmal alles abstreiten lassen. Am Dienstag aber twittert er: "Ich habe das absolute Recht, Fakten über Terror und Airline-Sicherheit zu teilen. Ich will, dass Russland seinen Kampf gegen Isis eskaliert." Aus "Hü" macht er "Hott" über Nacht. Bloß werden nun auch die republikanischen Parteifreunde nervös. "Wir scheinen täglich einen Aufruhr, eine Krise in Washington zu erleben", schimpft die Senatorin Susan Collins.

Warum bloß? Normale Politiker wollen Krisen verhindern oder bezwingen. Treibt Trump die Selbstzerstörung? Vielleicht, aber plötzlich agiert er wieder ganz rational, und die Zuschauer atmen auf. Doch nur bis zum nächsten Tweet. Kann es dann sein, dass der Mann Krisen und Kräche braucht wie die Luft zum Atmen? Ein Muster scheint sich aufzutun. Trump lebt vom Tumult, und wenn der ausbleibt, zündelt er. Wo andere zum Feuerlöscher greifen, gießt er Benzin nach.

Warum? Hören wir, was Trump über seinen treuen Pressesprecher Sean Spicer sagt: Nie werde er ihn feuern, denn "dieser Typ erzielt tolle Quoten, fast wie eine Soap". Die Supermacht als Serien-Queen. Bis zum letzten Cliffhanger, denn das FBI gräbt weiter. Bleiben Sie auf Sendung.