Ist die Arbeit eines Betriebsratsvorsitzenden über eine Million Euro im Jahr wert?

So viel hat Volkswagen in guten Jahren an Bernd Osterloh überwiesen. Etwa ein Drittel davon – das Einkommen aus seiner Aufsichtsratstätigkeit – hat er dann, wie es viele IG-Metall-Funktionäre tun, an die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung weitergereicht. Das ehrt ihn, kostet das Unternehmen aber genauso viel. Und am Ende bekam Osterloh in der Spitze bis zu 750.000 Euro, zuletzt sollen es 290.000 Euro gewesen sein.

Hat er sie auch verdient?

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt wegen Untreue. Nicht gegen Osterloh selbst, sondern gegen die Personalverantwortlichen bei Volkswagen. Dazu soll auch der frühere Arbeitsdirektor Horst Neumann gehören, der selbst zu sagenhaftem Reichtum im Unternehmen kam. Die Ermittlungen werden noch Monate dauern, aber ein Ergebnis kann man vorwegnehmen: Osterloh bekommt zu viel. Wer das verstehen will, kann dreierlei zu Rate ziehen: Gesetze, Juristen und Osterlohs eigenes Bauchgefühl.

Eigentlich entscheiden Unternehmen selbst, wie viel sie ihren Mitarbeitern zahlen. Doch in diesem Fall ist es anders. Sind die Mitarbeiter Betriebsräte und vertreten Arbeitnehmerinteressen, dann ist es eben keine freie Entscheidung des Unternehmens, wie viel sie verdienen. Schließlich sollen die Firmen sich ihre Betriebsräte nicht kaufen können, damit diese bei Sanierungsprogrammen oder Lohnverhandlungen ein Auge zudrücken. Deshalb gelten hier Gesetze.

Und deshalb liefert das erste Kriterium zur Bewertung von Osterlohs Gehalt ein Blick ins Betriebsverfassungsgesetz, das Grundgesetz für Betriebsräte.

Der Ausgangspunkt ist Paragraf 78, wonach Betriebsratsmitglieder wegen ihrer Tätigkeit und ihrer beruflichen Entwicklung nicht benachteiligt, aber auch nicht begünstigt werden dürfen. Noch deutlicher wird Paragraf 37. Dort steht: "Die Mitglieder des Betriebsrats führen ihr Amt unentgeltlich als Ehrenamt." Ein schlichter Satz, in dem sich die gesamte Debatte über Osterlohs Gehalt zusammenbinden lässt.