Im März 2013 bekommt Bernd Lucke einen Anruf. Ein Parteikollege berichtet ihm von dem Angebot eines wohlhabenden Spenders aus Hamburg. Der wolle Luckes Professorengehalt fortzahlen, ohne dass dieser an der Uni in Hamburg weiterarbeiten müsse. Dann könne er sich voll auf die Arbeit als Chef der AfD konzentrieren. Auch wolle der ominöse Unterstützer sich bald persönlich vorstellen. Sein Name: Folkard Edler.

Lucke ist zu diesem Zeitpunkt seit einem Monat Sprecher der Alternative für Deutschland, einer Partei, die er mit gut einem Dutzend Unternehmern und Ökonomen im hessischen Oberursel gegründet hat. Seit seinem ersten Auftritt im Fernsehen feiern ihn Deutschlands Konservative für seine Kritik am Euro wie einen Popstar. Es mangelt der Partei nicht an Zuspruch. Sondern am nötigen Geld, um Wahlkämpfe zu bestreiten. Der Anruf aus Hamburg, von dem ein ehemaliger Kollege Luckes aus dem AfD-Bundesvorstand berichtet, kommt gelegen. Aber wer ist der Mann, der da sein Geld anbietet?

Folkard Edler ist heute 81 Jahre alt. Er ist ein Reeder und Unternehmer aus Hamburg, über die Jahre war er Geschäftsführer diverser Schifffahrtsgesellschaften, er hat Millionen verdient und geht gerne golfen. Mit seiner Frau führt er ein zurückgezogenes Leben an der vornehmen Elbchaussee. So viel ist bekannt.

Im Verborgenen jedoch pumpt Edler gewaltige Summen in die Neue Rechte, die vom konservativen Rand der CDU bis in den völkischen Flügel um den AfD-Politiker Björn Höcke reicht. Wer zur Neuen Rechten gehört, liest die Wochenzeitung Junge Freiheit, verabscheut die Kanzlerin für ihre liberale Haltung in der Flüchtlingskrise und wählt die Alternative für Deutschland. Die verärgerten Konservativen, die sich mit "Masseneinwanderung" und "Multikulti" nicht abfinden wollen, bilden heute eine ernst zu nehmende politische Bewegung. Doch es gibt die Neue Rechte schon viel länger. Folkard Edler, das belegen Recherchen der ZEIT, bemüht sich seit fast zwei Jahrzehnten um ihren Aufstieg: Fast fünf Millionen Euro hat er dafür aufgewendet. Niemand hat so viel Geld in die Neue Rechte gesteckt wie Edler.

Zum ersten Mal taucht sein Name öffentlich im Parteispendenbericht des Deutschen Bundestages für das Jahr 2001 auf. Er wird darin als Großspender der Deutschen Partei (DP) geführt, mit 25.000 Mark hat er sie demnach unterstützt. Die Deutsche Partei ist zu dieser Zeit eine rechte Splittergruppe, bei diversen Landtagswahlen bringt sie es kaum auf ein Prozent. Ihr Vorsitzender Heinar Kappel schimpft auf die deutsche Einwanderungspolitik, die er zu lasch findet, wettert gegen kriminelle Ausländer und wirbt für ein "Europa der Vaterländer". Die DP von damals klingt wie die AfD von heute. Und Edler? Spendet, jedes Jahr mehr. Bis 2004 überweist er insgesamt gut 100.000 Euro an die Partei.

Kurz darauf nimmt der Verfassungsschutz von Thüringen die DP in seinen Bericht auf. Unter Kappel habe die Partei versucht, "zu einem Sammelbecken für Angehörige rechtsextremistischer Organisationen" zu werden, der Parteichef trifft sich mit dem Holocaustleugner Horst Mahler. "Nur um zu sehen, wie der so tickt", sagt Kappel heute. Die Behörden haben für so viel Neugier kein Verständnis: Der Geheimdienst beobachtet jetzt die DP. Und plötzlich steht Edlers Name nicht mehr in den Spendenlisten.

Stört ihn die rechte Gesinnung von Kappel und seinen Kameraden? Oder hat er schlicht Angst, dass sein Engagement öffentlich wird?

Edler lehnt eine ausführliche Unterhaltung mit der ZEIT ab. "Ein Gespräch über Sachverhalte, die viele Jahre zurückliegen, keinen Neuigkeitswert haben und für mich längst abgeschlossen sind, erübrigt sich damit", antwortet er per Mail. Und schreibt dann noch: "An einen ca. 15 Jahre zurückliegenden Kontakt mit Herrn Kappel habe ich allenfalls bruchstückhafte Erinnerungen." Ohnehin sei er "seit mehreren Jahren politisch nicht mehr engagiert".

Kappel hingegen behauptet, dass er noch heute ab und zu mit Edler telefoniere. Einen Bruch zwischen den beiden habe es nie gegeben. "Ein reservierter Mann, aber hochseriös", so lautet Kappels Urteil. Edler sei ein echter Konservativer geblieben, auch dann noch, als Merkel und ihre CDU in die politische Mitte gerückt seien.

Wie dieser Mann denkt, lassen die Leserbriefe erahnen, die Edler einst schrieb. Im Jahr 2003 wettert er in der FAZ gegen die Gewerkschaften, die zuerst für den Euro eingetreten seien, sich nun aber gegen die dadurch nötig gewordenen Arbeitsmarktreformen aussprächen. "Vor nicht allzu langer Zeit" seien die Gewerkschaften noch "vollmundig auf Seiten derer" gewesen, "die diese europäische Währungsgemeinschaft à tout prix einforderten", schreibt Edler. Dem Handelsblatt wirft er 2007 vor, all jene zu "diffamieren", die an der These des menschengemachten Klimawandels zweifeln. Ein Euro-Kritiker und Klima-Skeptiker, schon damals. Kein Wunder also, dass der Reeder sich später für Bernd Lucke und seine AfD begeisterte. Woher aber stammt all das Geld, mit dem Edler seine politischen Wunschträume finanziert?