Wer seine Einkommensquellen sucht, findet ein globales Netzwerk von Unternehmen und Beteiligungen. Edler führte mehrere Schifffahrtsgesellschaften, unter anderem auf Zypern, und verwaltete in Deutschland Immobilien. In den neunziger Jahren war der Diplom-Kaufmann Geschäftsführer von mehr als einem halben Dutzend Unternehmen gleichzeitig.

Unter Hamburgs Reedern gilt Edler als einer, der sich hochgearbeitet hat: Obwohl er nicht aus einer der alteingesessenen Reeder-Familien stammt, unterhält er mit der ICL Holding eine zeitweise hochprofitable Linie, spezialisiert auf den Transport von Bier der Marke Heineken aus dem Hafen in Antwerpen nach Jacksonville im US-Bundesstaat Florida. Unter anderem arbeitete Edler mit einigen Großen der Branche zusammen, darunter Horst Rahe, Besitzer der Deutschen Seereederei, der ihn einen "ehrlichen Geschäftspartner" nennt, mit der Familie Döhle, die mehr als 400 Schiffe unterhält, und mit Nicolaus W. Schües, dem Inhaber der Traditionsreederei Laeisz. Die Bilanzsumme seiner diversen Unternehmen beläuft sich auf einen mindestens zweistelligen Millionenbetrag. Die ICL Holding verfügte 2015 über ein Eigenkapital von 10,5 Millionen Euro, die Schufa attestiert beste Bonität.

Im engsten Kreis seiner Unternehmungen scheinen heute vor allem zwei Personen zu stehen: seine Frau und seine Sekretärin. Beide stattet Edler mit enormer Macht innerhalb seines Imperiums aus, sie sind Geschäftsführerinnen und haben Vollmachten, um Verträge unterzeichnen zu können. "Edler lebt extrem zurückgezogen und ist ein verschlossener Typ", berichtet ein alteingesessener Hamburger Reeder. Auf Society-Events tauche er so gut wie nie auf, Empfänge meide er, Golf-Turniere für gewöhnlich auch.

Ebenso diskret geht Edler bei der Förderung seiner politischen Anliegen vor. Nie tritt er öffentlich mit Politikern auf, die er unterstützt. Er bittet zu Treffen im kleinen Kreis, empfängt Gäste in seinen Geschäftsräumen an der Elbchaussee oder bespricht seine Pläne am Telefon. Es gibt kein einziges Foto von ihm im Netz.

Nur wenige Wochen nach dem Anruf seines Parteikollegen im März 2013 empfängt der Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke in dessen Büro an der Uni in Hamburg den mysteriösen Spender. Edler stellt sich vor, und schnell wird klar: Lucke hat es dem Reeder angetan, Edler stellt in Aussicht, die AfD künftig finanziell zu unterstützen. So erzählt es ein ehemaliger Parteifreund Luckes.

Edlers Name taucht denn auch im Spendenbericht des Bundestags für das Wahljahr 2013 auf. Darin sind all jene Geldgeber gelistet, die über 10.000 Euro in politische Parteien gesteckt haben. Unter den Spendern der AfD findet sich ein Anwalt aus Berlin, eine Baufirma aus der Nähe von Stuttgart und ein Immobilienmakler aus Oberbayern. Doch niemand hat so viel gespendet wie Folkard Edler und seine Frau: Je 50.000 Euro. Ein einziger Euro mehr, und die Spende hätte nach geltendem Gesetz nicht erst im Spendenbericht, sondern sofort an die Bundestagsverwaltung gemeldet werden müssen. Da der Spendenbericht erst zwei Jahre später erscheinen wird, bleibt der Name des Paars vorerst geheim. Und die wirklich großen Summen kommen erst noch.

Für das nächste Gespräch besuchen Lucke und der Hamburger AfD-Chef Jörn Kruse Edler Ende Juni 2013 an der Elbchaussee. Er eröffnet den beiden, dass er die Partei im Wahlkampf mit zwei Darlehen in Höhe von je 500.000 Euro unterstützen wolle. Ein paar Tage später berichtet Lucke seinen Kollegen in einer Rundmail von den traumhaften Konditionen, die Edler ihm gewährt habe: Sie hätten sich auf einen "günstigen Zinssatz (2 Prozent p.a.)" geeinigt, außerdem begnüge Edler sich mit "40 Prozent der Wahlkampfkostenerstattung" als Sicherheit. Und, noch besser: "Beim zweiten Darlehen hat der Darlehensgeber auf Sicherheiten vollständig verzichtet." Eine Million für Luckes AfD. Zu so günstigen Bedingungen, dass Juristen kritisierten, es könne sich um eine verdeckte Parteispende handeln.

Was öffentlich 2013 nicht bekannt ist: Die Laufzeit des Vertrags ist auf fünf Jahre angelegt. Edler erklärt heute per Mail, das Geld sei "für den Bundestagswahlkampf 2013 vollständig verbraucht" worden. Er war es, der damals die Anschubfinanzierung für die Lucke-AfD leistete. Doch profitiert die Partei, in der heute Nationalkonservative wie Alexander Gauland das Sagen haben, noch immer davon.