Wer kommt da alles?

Ungefähr 6.000 Delegierte werden zum Gipfel erwartet, dazu kommen 3.000 bis 4.000 Journalisten. Genauer kann es noch niemand sagen, denn noch läuft die Anmeldungsfrist für die 35 Delegationen. Erwartet werden die Chefs der 20 wirtschaftsstärksten Staaten samt der EU, die Leiter von acht internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen oder der Weltbank sowie sieben von der Kanzlerin als Gäste eingeladene Regierungschefs. Allein die Delegation der USA könnte rund 800 Mitglieder umfassen. Daran orientieren sich Staaten wie Russland oder China, die keinesfalls mit weniger Leuten auftreten wollen. Andere Delegationen aus Frankreich oder Italien kommen mit 60 Mitgliedern aus, auch die deutsche Delegation ist vergleichsweise klein.

Offiziell ist es geheim, wer in welchem Hotel schläft, auch um die Gebäude vor Angriffen zu schützen. Bekannt ist, dass die deutsche Kanzlerin im Hotel Atlantic unterkommen wird. Wladimir Putin wird in Park Hyatt in der City schlafen, Recep Tayyip Erdoğan im Sofitel am Alten Wall. Die Amerikaner haben sich noch nicht entschieden, in welchem Hotel Donald Trump absteigen wird. Dass er in Berlin nächtigt, wie spekuliert wurde, halten Insider jedoch für unwahrscheinlich.

Das Programm umfasst vier bis sechs Arbeitssitzungen in den Messehallen, bei denen die Staatschefs jeweils eineinhalb Stunden lang über ein Thema diskutieren, etwa über die Weltwirtschaft. Am Freitagabend ist ein Arbeitsessen im Kleinen Saal der Elbphilharmonie geplant. Im Großen Saal hören die Politiker ein Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters unter Kent Nagano.
Marc Widmann

Worum geht es?

"Manchmal ist auch das Halten des bisher Erreichten ein Erfolg", hat Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Gastgeberin des G20-Gipfels, mit Blick auf das Treffen gesagt. Angesichts der jüngsten Meinungsverschiedenheiten schon im kleineren Kreis der G7-Industrienationen scheint diese Skepsis angemessen. Die G20 arbeiten an einer Weltverbesserungsprogrammatik mit Zielen wie Wachstumsförderung, Armutsbekämpfung, Umweltschutz und einer weltweiten Verbesserung der Gesundheitsversorgung. Aber was, wenn man sich nicht einmal mehr in den Zielen einig ist?

© ZEIT-Grafik

Freihandel war vor der Ära Trump eine weithin begrüßte Theorie, der die Praxis hinterherhinkte. Agrarsubventionen der Europäer und US-Amerikaner, Industriesubventionen der Chinesen, denen die EU wiederum mit Zöllen begegnet – bislang sahen die G20 eine Aufgabe darin, solche Konflikte zu entschärfen. Nun allerdings hat der US-Präsident Donald Trump die Parole "America first" ausgegeben und propagiert nicht mehr den freien, sondern einen "fairen" Welthandel. Wenn sich die G20 in dieser Frage nicht verständigen, werden Zoll- und Handelskonflikte in den kommenden Jahren wahrscheinlicher.

Im Klimaschutz sind internationale Verständigungen wenig wert, wenn ein großer Akteur sie nicht mitträgt. Die neue US-Regierung steht dem Klimavertrag von Paris eher skeptisch gegenüber – vor allem Europäer und Chinesen dürften auf ein Bekenntnis in dieser Frage dringen.

Je weniger Verständigung es im Rahmen der G20 gibt, desto wahrscheinlicher wird die Bildung neuer Allianzen. Sie steht nicht auf dem Programm, könnte aber ein Ergebnis dieses Gipfels werden.
Frank Drieschner