Ich stehe am Fuße des Hügels und schaue zur Oper hoch. Die Blumen auf den Promenadenbeeten blühen in vielen Farben, die Fontäne eines Springbrunnens, an der die abendlichen Gäste vorbeiflanieren, den Hügel hoch, immer den Hügel hoch.

Ich bin nicht in Bayreuth, sondern in Halle/Saale, Dichterstadt, Händelstadt, Kunststadt, Heimatstadt.

Eines der schönsten Opernhäuser, das ich kenne, steht hier.

Ich erinnere mich an meine erste Oper, die ich hier gesehen habe. Ende der Achtziger, noch vor der Wende, als Kind. Meine Mutter und meine Großeltern nahmen mich und meine Schwester mit.

Tamerlano von Händel, in der Regie von Peter Konwitschny, der in dieser Zeit als großer Modernisierer, als Opernerneuerer galt. Ich erinnere mich, dass ich natürlich erschlagen war, viel zu jung war, aber dennoch beeindruckt.

Man spürte eine ungeheure Energie.

Und in dem teils schmutzigen Streit, der nun um die neue, noch nicht mal eine Spielzeit währende Intendanz der Oper Halle entbrennt, wundere ich mich, warum es in Halle, dieser von der Kunst der Jahrhunderte so munter durchspülten Saalestadt, heute anscheinend vielerorts an Mut und auch an Offenheit fehlt. Die örtliche Zeitung berichtet in einem Jargon, der einen an die englische Sun erinnert, da werden groteske Defizite lanciert, wird die künstlerische Leitung des Hauses vonseiten der Stadt untergraben und von Entscheidungen ausgenommen.

"Alles brennt" und "Alles träumt" sind die Motti dieser ersten Spielzeit. Was kann die Oper heute bewegen?

Wollen wir mundgerechte Dienstleistungshäppchen? Nur Illustrationen zur Musik?

Wo bleibt da das Theater?

Kann man nicht froh sein, dass die Hallesche Oper sich im wahrsten Sinne des Wortes in Bewegung befindet, sie mit vielfältigen Projekten auch einen gesellschaftlichen Diskurs anstrebt?

Da wird alles auf Zahlen reduziert, als wären die Kunst, das Theater, die Musik nicht einige der letzten wirklich freien Räume, die wir haben. Und die wir brauchen. Vor allem bei uns.