Das Unternehmen, das von sich behauptet, das neue Geld zu sein, fragt ein letztes Mal, ob ich wirklich zum alten zurückkehren will: "Möchten Sie die autorisierten Abonnementzahlungen für Netflix.com wirklich stornieren?" steht auf dem Bildschirm des Online-Bezahldienstes PayPal. Tja, möchte ich? Vor zweieinhalb Jahren habe ich dem Unternehmen Netflix erlaubt, jeden Monat meine Abo-Gebühren über PayPal einzuziehen. Seitdem habe ich 329,70 Euro an den Video-Streamingdienst bezahlt, ohne auch nur einmal klicken zu müssen. Sehr bequem. Nein, eigentlich will ich daran nichts ändern.

Ich klicke trotzdem auf "Ja". Denn ich starte ein Experiment: Ich versuche, eine Woche lang nur mit Bargeld durchs Leben zu kommen. Wenn PayPal laut eigenem Slogan das neue Geld ist, sind Münzen und Scheine wohl das alte. Nur damit will ich während des Versuchs bezahlen. Geht das heute noch?

Im Fall von Netflix ist eine Art Umweg nötig – einmal im Monat 9,99 Euro am Firmensitz im kalifornischen Los Gatos abzuliefern ist keine Option. Stattdessen kann ich im Supermarkt einen 20-Euro- und einen 5-Euro-Schein gegen eine rot-weiße Plastikkarte tauschen, auf deren Rückseite ein elfstelliger Code steht. Den muss ich zuerst mit einer Münze – wie passend – frei rubbeln und ihn dann auf der Website eingeben. Meinem Account sind nun 25 Euro gutgeschrieben, das reicht für zweieinhalb Monate. Dann müsste ich also wieder eine Karte im Supermarkt kaufen. Das war vorher einfacher.

Ich bin kein großer Bargeld-Fan; ich finde es nachvollziehbar, dass es immer mehr Möglichkeiten gibt, bargeldlos einzukaufen. Bahntickets bezahle ich per Kreditkarte, Supermarkt-Einkäufe mit ec-Karte, Essen vom Lieferservice direkt über eine App. Dass manche Berliner Kneipen die handgeschriebenen "Cash only"-Schilder geradezu stolz aufhängen, passt zwar gut zum rohen Stil der Stadt, ärgert mich aber regelmäßig, wenn ich mir Geld für ein Bier leihen muss.

Bioladen, Baumarkt, Bäckerei – im Alltag ist es überhaupt kein Problem, mit Bargeld zu bezahlen. Die einzige Herausforderung ist, immer genug dabeizuhaben. Die echten Schwierigkeiten lauern woanders. Etwa bei Dienstleistungen: Telefon, Internet, Strom. Die Kosten dafür werden automatisch von meinem Konto abgebucht. Bisher jedenfalls.

Anruf bei meinem Energieversorger: Zu meiner Überraschung bekomme ich sofort die Auskunft, dass ich selbstverständlich gern auch Bargeld einzahlen kann. Ich müsse nur ins Kundencenter kommen, Adresse, Öffnungszeiten, danke, gerne; gesagt, getan.

Das war einfach. Doch bei der Telekom erfahre ich: Barzahlung nicht möglich. Vielleicht könne ich es bei einer Bank zugunsten der Telekom einzahlen, schlägt der Herr am Telefon vor. Ein Anruf bei meiner Bank ergibt, dass ich höchstens den Betrag in bar auf mein Konto einzahlen und von dort weiter zur Telekom überweisen könnte. Da ich das Geld vorher von ebenjenem Konto abheben müsste, erscheint mir das eher unsinnig.

Derlei Konstrukte ergäben nur Sinn, wenn ich eine direkte Einkommensquelle für Bargeld hätte. Doch meine Einkünfte erreichen mich als Giralgeld. Ich frage bei einem meiner Auftraggeber nach, ob ich mein Honorar in bar bekommen könne. Kein Problem! Man müsse das nur rechtzeitig wissen, um das Geld vorrätig zu haben. Ein anderer Auftraggeber teilt mir aber mit, dass Barzahlungen grundsätzlich nicht möglich seien. Ich bin froh darüber – ich hätte sonst eine Stunde fahren müssen, um mein Geld abzuholen.

Das ist sowieso ein großer Nachteil des Bargelds: Man muss es persönlich überbringen. Eine für mich nicht unwesentliche Bezugsquelle von allem Möglichen fällt damit zunächst einmal weg: Online-Bestellungen.

Doch dafür gibt es eine Lösung. Das Berliner Start-up Barzahlen richtet sich an Menschen, die online einkaufen wollen, aber als Zahlungsmittel nur Bargeld verwenden können oder wollen. Etwa weil sie ihre Bankverbindung nicht angeben wollen oder weil sie keine Kreditkarte haben. Eine wichtige Zielgruppe scheinen Jugendliche zu sein, die ihr Taschengeld im Netz ausgeben wollen: Unter den teilnehmenden Händlern sind die Fanshops zahlreicher YouTube-Stars.

Ich hingegen kaufe etwas für Erwachsene und bestelle bei einem Weinhändler. Statt per Bankeinzug zu zahlen, wähle ich die Barzahlen-Option. Ich bekomme einen Zahlschein, den ich ausdrucken kann. Damit laufe ich später am Tag zur nächsten Rewe-Filiale. Der junge Mann hinter der Kasse schaut fragend, als ich ihm den Zahlschein hinhalte. Er scannt, der Betrag wird angezeigt, ich bezahle. Praktisch sofort bekomme ich eine E-Mail, die meine Zahlung quittiert, später eine Versandbestätigung. Es hat funktioniert: online bestellen mit altem Geld. Ich laufe vom Rewe zurück – durch den Regen. Zum Glück darf ich bald wieder mit dem neuen bezahlen.