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Gina Haspel hat Ende März 2002 nur wenig Zeit, um alles für die Folterungen vorzubereiten. Haspel leitet das CIA-Geheimgefängnis "Cat’s Eye" in der Nähe der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Es ist sehr warm, 34 Grad. Die hohe Luftfeuchtigkeit lässt die Kleidung kleben. Doch im Inneren ihres auch "Gefängnis grün" genannten Komplexes sind die Klimaanlagen auf extrem kalt eingestellt. Die Zellen sind sehr spartanisch eingerichtet: eine Pritsche, vier Halogenleuchten, vier mal vier Meter Freiheitsentzug ohne Fenster.

Erstmals will der US-Geheimdienst CIA an diesem Ort seine "erweiterten Verhörmethoden" ausprobieren, die Präsident George W. Bush ein halbes Jahr zuvor erlaubt hat. Durch Folter wie Waterboarding, Schlafentzug oder Demütigung durch Nacktheit sollen Al-Kaida-Kämpfer gebrochen und zu sprudelnden Quellen im "Kampf gegen den Terror" gemacht werden, den die USA nach den Angriffen in New York 2001 ausgerufen haben. Gina Haspel, eine 45-jährige Geheimdienstmitarbeiterin, soll diese ersten Folterungen in Thailand durchführen.

15 Jahre später, im Jahr 2017, hat Präsident Donald Trump Gina Cheri Haspel zur Vize-Direktorin der CIA ernannt.

Die Menschenrechtsanwälte des European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) aus Berlin haben diese Woche ein ergänzendes Dossier über die Ex-Agentin Haspel zu einer bestehenden Strafanzeige beim Generalbundesanwalt eingereicht. Die neuen Informationen setzen die Karlsruher Ankläger unter Druck. Denn die Bundesanwälte haben bisher jede Anzeige gegen amerikanische Verantwortliche abgelehnt – sei es gegen den damaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wegen der Zwischenfälle in Abu Ghraib, gegen den früheren CIA-Chef George Tenet oder gegen Geheimdienstler der NSA, die das Handy der Bundeskanzlerin überwachten. Im Verhältnis zu den USA gilt auch in Karlsruhe eine besondere Form der Staatsräson.

Doch dieser Fall liegt anders. Erstmals ist ein Folterer noch aktiv in der CIA, und erstmals hat der angezeigte Folterer eine direkte Verbindung in die aktuelle US-Regierung. Gina Haspel repräsentiert den Nachrichtendienst von nun an in der Öffentlichkeit und wird in dieser Funktion viel reisen müssen. "Das ist unsere Chance", sagt Wolfgang Kaleck, Generalsekretär des ECCHR, "bei der Last der von uns eingereichten Informationen und genannten Zeugen des US-Folterprogramms muss der Generalbundesanwalt Ermittlungen starten oder bei ihrer Einreise nach Deutschland einen Haftbefehl ausstellen."

Bis vor wenigen Wochen war der Name der neuen Nummer zwei der CIA unbekannt. Haspel war jahrzehntelang für geheime Operationen der CIA zuständig. Sie leitete die CIA-Station in London, später in New York. Danach wurde sie stellvertretende Direktorin für verdeckte Auslandsoperationen und schließlich Chefin aller Geheimoperationen der Agency weltweit. Jetzt weiß man den Namen, aber sonst nicht viel. Sie ist eine "Frau ohne Gesicht", ein Phantom. Es gibt kein öffentliches Foto von Gina Haspel.

Folter, Isolationshaft, wieder Folter: Abu Subaida sagte nichts – weil er nichts wusste?

Eines ihrer Folteropfer war Sain al-Abidin Muhammad Hussein, bekannt geworden als Abu Subaida. Seine Hölle beginnt an einem Donnerstag im März 2002. Schwerbewaffnete stürmen in der Textilhochburg Faisalabad im Norden Pakistans ein Haus. Die Angreifer, amerikanische und pakistanische Geheimdienstler, schießen dem mutmaßlichen Topterroristen, damals 31 Jahre alt, in Hoden, Oberschenkel und Magen. Der US-Senat veröffentlichte 2014 einen CIA-Folterbericht, in dem dieser Fall aufgearbeitet wurde. Die Central Intelligence Agency soll 10 Millionen US-Dollar für den Hinweis auf den Aufenthaltsort gezahlt haben.