Das haben sie wirklich gut hingekriegt! Der rein elektrisch angetriebene e-Golf sieht genauso aus wie der gewöhnliche Golf mit Explosionsmotor der aktuellen Serie ("Golf 7"). Verzagt steht in winzigen Lettern "e-Golf" links außen auf der Heckklappe und auf dem, was früher einmal der Kühlergrill war. Der Hersteller hat es geschafft, dass nicht weiter auffällt, wer das Auto der Zukunft fährt. Toll!

Toll? Die Frage, ob das Auto von morgen wie von gestern aussieht, ist eine Frage des Psychodesigns. Vordenker wie Andrea Zagato, Chef des ruhmreichen gleichnamigen Designbüros (1938er Alfa Romeo 8C, 1961er Aston Martin DB4 GT Zagato), erklärte die Verzagtheit damit, dass die neue Technik die Leute schon genug beunruhige. Also entwickeln Männer wie Zagato ihre Autos, als gäbe es die neuen Möglichkeiten gar nicht.

Wer sich dagegen mehr für das Design neuer Fahrzeuge als für die bebende Seele künftiger Käufer interessiert, muss angesichts eines Elektroautos elektrisiert sein. Denn was ist aus formensprachlicher Perspektive ein konventioneller Wagen mit Verbrennungsmotor? Eine mobile Plattform, bestückt mit lauter teilweise monströsen Aggregaten: mit Motor, Getriebe, Anlasser, Kardanwelle, Tank, voluminösen Katalysatoren, einer fetten Ansaug- und einer wuchernden Auspuffanlage, mit großem Kühler und viel Dämmung. Gegen Krach. Und gegen Hitze. Damit die Insassen nicht von der eigenen Verbrennungsmaschine gegrillt werden. Eine vollgestellte Landschaft also, in welche der Mensch sich und sein Gepäck klemmen muss.

Dagegen ein Elektroauto? Etwas vorlaut formuliert ist das ein Boden, der aus Batterien besteht. Plus kleinem Motor. Plus Stühlen. Und solange das Fahrzeug noch nicht autonom unterwegs ist, sollten auch ein Lenkrad und ein paar Pedale Platz finden. Das war’s.

Während also das konventionelle Auto ein von wackeren Ingenieuren und Technikern definierter Maschinenpark ist, den angestellte Künstler mit dem Kohlestift umhüllen dürfen, stellt das E-Auto einen weitgehend leeren Raum dar. Auf den ein Deckel kommt, der irgendwie gefällig aussehen muss. Es ist klar, dass bei so viel möglicher gestalterischer Freiheit die Designer Morgenluft wittern.

Noch geht es um Witterung, nicht ums Zupacken. Noch erschöpft sich E-Design darin, Elektrotechnik im konservativen Kleid zu verstecken. Beispiel: Im Tesla wird der durch Wegfall des Tanks gewonnene Freiraum ausgerechnet für eine dritte Sitzbank für Kinder genutzt – und das in einem Supersportwagen! Ein weiteres ungewolltes Kind verzagten E-Designs ist der Frunk, der zweite Kofferraum, der überflüssigerweise vorn (front trunk) unter der ehemaligen Motorhaube entsteht. Den Gipfel des mutigen Designs stellt heute das Spiel mit blauem Licht dar, um die Scheinwerfer herum, längs der Schweller, hinterm früheren Grill. E ist Strom, und Strom ist Licht, so lautet die Assoziationskette. Dabei muss der Stromer eigentlich mit nichts anderem so knauserig umgehen wie mit Strom, der notorisch knapp ist an Bord.

Das Auto der Zukunft ist langsam. Dafür darf es aussehen wie ein Würfel

Deutlich großzügiger langt Paolo Tumminelli zu, Professor für Designkonzepte an der Köln International School of Design. Seine Synonyme für E-Mobilität heißen Paradigmenwechsel und Neudefinition des Automobils. Den fürchterlichen Ist-Zustand markieren erdölverschlingende Ungetüme wie der Audi Q7 quattro, ein Panzerwagen mit "Rädern, höher als ein Esstisch". Die Entwicklung des Autos zum sicherheitsmaximierten, umfassend ausgestatteten und hochleistenden Stahl-Trumm für Geschwindigkeiten jenseits 200 Stundenkilometern findet Tumminelli "krank". Das E-Auto dagegen beinhalte die Chance, "das Automobil den Menschen zurückzugeben". Und zwar als sauberen, leisen Wohn- und Lebensraum.