Der Bestand an Elefanten und Nashörnern ist akut gefährdet. Trotz des Verbotes gemäß Artenschutzabkommen werden jedes Jahr 20.000 Elefanten und 1.000 Nashörner umgebracht. Ihre Stoßzähne und Hörner bringen auf dem Schwarzmarkt Milliarden.

Bisher konnten diese Verbrechen auch mit fortgeschrittenen technologischen Maßnahmen nicht verhindert werden – etwa mit Drohnen, Kamerafallen oder sogar Peilsendern in den Hörnern. In einem Artikel der ZEIT vom 22. Mai 2017 wird gefolgert: "... bisher konnte es noch keine Technologie mit Wilderern aufnehmen."

Nun versucht der Mitgründer von Microsoft, Paul Allen, das Problem mit noch mehr Technologie à la Silicon Valley anzugehen. Er ist überzeugt, dass nur eine totale Überwachung die Ausrottung dieser Tiere verhindern kann. Dies soll mit dem "Domain Awareness System" erreicht werden, das alle bisherigen Datenquellen vernetzt und den Rangern schneller zur Verfügung stellt. Allerdings ist dieses System kompliziert, störungsanfällig und nur kostspielig umzusetzen. Darüber hinaus sind die Wilderer wohl nur durch zusätzliche Bodentruppen zu stoppen. Die Ranger sind jedoch in der Regel schlecht bezahlt und deshalb anfällig für Bestechung durch die Wilderer. Es nützt also wenig, wenn immer wieder eine bessere Ausbildung und Ausrüstung gefordert wird.

Die Wilderer haben angesichts der Preise hohe Anreize, Stoßzähne und Hörner auf den Schwarzmarkt zu bringen. Höhere Strafen bewirken wenig. Sie sind nicht nur schwer durchsetzbar, sondern auch moralisch umstritten. Die Wilderer selbst sind arme Kerle, denen – gerade von Milliardären wie Allen – kein Vorwurf gemacht werden sollte. Der ZEIT-Artikel gibt sich dennoch überzeugt: "Solange Staaten keine strikten Handelsverbote und keine hohen Strafen beschließen und Ranger nicht gewillt sind, ihr Leben für die Tiere zu riskieren, wird eine Software das illegale Töten nicht stoppen können. Der Gier der Wilderer ist einfach zu groß".

Wir schlagen eine Lösung vor, die nicht moralisierend gegen die Wilderer vorgeht, keine abschreckend hohen Strafen fordert und nicht auf unrealistischer Kontrolle des Handels beruht. Dieser Ansatz erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, ist aber erfolgversprechend. Er beruht auf der Idee der Marktüberflutung.

Ein Schwarzmarkt wie derjenige für Stoßzähne und Hörner lässt sich nicht unterdrücken, wie die Erfahrung zeigt. Außerdem wirkt der Effekt kontraproduktiv. Je geringer das Angebot, desto höher ist der Preis, was den Anreiz zum Wildern weiter steigert.

Entscheidend wäre, das Angebot durch imitiertes Material zu erhöhen und damit die Preise zu senken – damit sich die Mühe und Gefahr der Wilderei nicht mehr lohnt. Beinahe jedes Material lässt sich heute so gut nachahmen, dass es kaum oder gar nicht mehr vom Original unterscheidbar ist. Sogar Kunstwerke können so perfekt imitiert werden, dass selbst Sachkenner diese nicht mehr vom Original unterscheiden können. Da die zu Tabletten oder Pulver verarbeiteten Hörner keinerlei medizinische Wirkung haben, können diese Produkte vom Endkonsumenten nicht von den Fälschungen unterschieden werden.

Zusätzlich zur Angebotserhöhung sollten die betroffenen Regierungen oder auch Naturschutzorganisationen aktiv kommunizieren, dass Fälschungen in Umlauf gebracht werden. Die ausgelöste Unsicherheit über die Echtheit der Ware wird die Nachfrage effektiv senken.

Dieser Ansatz ist sicherlich ungewohnt, verspricht aber eine wirksame Maßnahme gegen das Abschlachten von Elefanten und Nashörnern. Außerdem hat er einen netten Nebeneffekt. Wer glaubt, mit der Einnahme von Pulvern aus Stoßzähnen und Hörnern sexuell erfolgreicher zu werden, wird getäuscht. Was sicherlich eine weniger schwerwiegende Auswirkung ist, als die armen Wilderer zu jagen und hoch zu bestrafen.