Dieter Bednarz ist Redakteur beim Spiegel und als solcher auf Präsidenten und andere Schurken spezialisiert. Er traf sich in den vergangenen Jahren mit Syriens Machthaber Baschar al-Assad, dem iranischen Fundamentalisten Mahmud Ahmadinedschad und dem ägyptischen General Abdel Fattah al-Sissi. Vielleicht hat er seinen ersten Roman geschrieben, um sich von diesem Alltagsjob zu erholen. Das wirkt zumindest so, fällt in ihm doch ein Dutzend Mal die Aufforderung: "Umhülle deine Mitmenschen mit einer Wolke von Liebe."

Schwer erleuchtet basiert in Teilen auf einer wahren Geschichte. Bednarz hat 2002 auf Sri Lanka den Mönch Siri kennengelernt, der für seine Frau und ihn eine Hochzeitszeremonie in einem buddhistischen Tempel veranstaltete. Einige Monate später stand der Mönch in seinem orangefarbenen Gewand im Grindelviertel vor der Haustür von Bednarz und quartierte sich bei ihm ein. Dem Hamburger Abendblatt erzählte Bednarz, dass Siri drei Monate später wieder abgereist sei, allerdings nicht, ohne vorher das ganze Grindelviertel erleuchtet zu haben.

Im Roman bringt der Mönch seine Lehre von der Gelassenheit und Achtsamkeit in die schicke Altbauwohnung eines gestressten Doppeltes-Einkommen-keine-Kinder-Paares. Daniel ist TV-Journalist, der von einer großen Moderatoren-Karriere träumt, von seinen Vorgesetzten aber als Wettermann kaltgestellt wird.

Seine Frau Maya ist erfolgreicher im Beruf, sie hat als Juristin die Anwaltskanzlei ihres Vaters übernommen, nun träumt sie, Ende dreißig, von einer Familie. Ihren Frust darüber, dass es mit der Schwangerschaft nicht mehr zu klappen scheint, lässt sie an ihrer Sekretärin aus.

Damit ist auch schon das Muster benannt, das den Roman strukturiert. Wohin auch immer es Siri in Hamburg verschlägt, auf die Reeperbahn, ins Alsterhaus, in die Nachbarwohnung seiner Gastgeber: Stets trifft er auf Menschen, die tief in irgendein Elend verstrickt sind, nicht mehr weiterwissen, dann aber dank des großartigen Mönches, dank seiner Worte und Taten wieder auf den richtigen Weg finden.

Die vom Verlag gewählte Bezeichnung Roman ist im Fall von Schwer Erleuchtet ein wenig irreführend. Es handelt sich eher um ein Lehrstück im Stile der contes philosophiques des 18. Jahrhunderts, für die Voltaires Candide steht. Schwer erleuchtet kann man geradezu als eine Antwort auf Candide lesen.

Voltaire lässt durch eine Aneinanderreihung völlig unwahrscheinlicher Begebenheiten seinen anfangs optimistischen Helden erfahren, dass die Welt ein Drecksloch ist, man sich tunlichst von ihr fernhalten und lieber sein kleines Gärtchen pflegen sollte.

Bednarz hingegen zeigt mit völlig unwahrscheinlichen Begebenheiten, dass ein praktizierter Buddhismus zur "besten aller möglichen Welten" führt.

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Während sich also in Voltaires Erzählung freundliche Menschen bei näherer Bekanntschaft als mordlüsternde Bestien entpuppen, entdecken bei Bednarz selbst die fiesesten Klein- und Großkriminellen durch den Buddhismus ihr goldenes Herz.

So schön es ist, dass Bednarz an eine alte, stark vernachlässigte Tradition anknüpft, zwei große Probleme handelt er sich dabei ein. Erstens gibt es in Schwer Erleuchtet eindeutig zu viel Wohlwollen. Mit guten Gefühlen lässt sich bekanntlich nur schwer gute Literatur machen. Und zweitens neigt die Erzählung von Bednarz zur Plattheit, weil die Botschaft, die der Leser schon auf den ersten Seiten kapiert, wie so oft in Lehrstücken, mantraartig wiederholt wird. Siris Poesiealbumweisheiten ("Nur in der Gegenwart, im Hier und Heute, können wir wirklich lieben", "Das Leben akzeptieren heißt Wandel akzeptieren", "Es gibt keine Zufälle") verstärken diesen Eindruck noch.

Im Alsterhaus starrt Siri entgeistert auf das Warenangebot: "Von allem so viel, dachte der Mönch, von allem zu viel." Auch 400 Seiten sind für den leichten, heiteren Stoff von Bednarz zu viel. Am Ende ist man nicht schwer erleuchtet, sondern schwer ermüdet.