Eine App für Smartphones soll Schülern helfen, falsche und echte Nachrichten auseinanderzuhalten. Das kleine Programm heißt Fake News Check und kann im Google Play Store sowie im App Store von Apple kostenlos heruntergeladen werden. In der Beschreibung heißt es, die Software erkenne nicht automatisch Falschmeldungen, aber sie helfe, "wichtige Fragen zu stellen und Fake News durch angeleitetes Nachdenken von echten Nachrichten zu unterscheiden".

Gelingt das tatsächlich? Hilft die App, Unwahrheiten zu erkennen? Das wäre in Zeiten, in denen viele Menschen nicht mehr wissen, wem sie trauen sollen, hochwillkommen.

Ein Praxistest: Anfang vergangener Woche kursierte bei Facebook eine Meldung über Terror-Sympathisanten in Halle. "Islamisten zelebrieren in Halle symbolische Übernahme ... und gedenken den im Kampf gefallenen Terroristen von London", lautete die Nachricht. Dazu war ein Foto von jungen Männern mit dunklem Teint und dunklen Haaren zu sehen, die ein Denkmal mit einer Fahne schmückten. Verbreitet wurde diese Nachricht unter anderem über die Facebook-Seiten Halle.leaks.06, Montagsdemoinhalle, Halgida und Halle Saale.

Um die Nachricht prüfen zu können, verlangt die App, 19 Fragen zu beantworten. Erste Frage: "Wie stark sind die Gefühle (z. B. Freude, Schadenfreude, Trauer, Angst oder Wut), die die Meldung in dir auslöst?" Meine Antwort: Sehr stark. Nächste Frage: "Ist die Gestaltung der Schlagzeile eher unauffällig oder auffällig (z. B. durch viele Satzzeichen?!!, GROSSBUCHSTABEN? Fettschrift ... )?" Unauffällig. "Wird der Eindruck erweckt, es handele sich um skandalöse oder besonders besorgniserregende Neuigkeiten?" Ja.

So geht es weiter. Geschaut wird auf viele Merkmale, die allerdings nicht zwingend eine Falschnachricht kennzeichnen. Starke Emotionen können ja auch echte Nachrichten auslösen. Und "besorgniserregende Neuigkeiten" sind so etwas wie das tägliche Brot des Journalisten. Was ist nicht alles besorgniserregend – der Euro, die Digitalisierung, Donald Trump, Hacker, Mietpreise, der Zustand der Bundeswehr und die Privatisierung von Autobahnen.

Viele weitere Fragen in dem Fake-Erkennungsprogramm zielen auf ähnlich schwache Indizien dafür, ob es sich um eine falsche Nachricht handelt: Enthält die Internetseite auffällig viel Werbung? Werden Aussagen im Text durch Links belegt? Ist ein Veröffentlichungsdatum angegeben? Ist das Ereignis aktuell? Wird der Verfasser des Textes genannt? Ist er glaubwürdig?

Die tatsächlich wichtige Frage nach dem Autor ist besonders knifflig. Die App empfiehlt, man solle den Verfasser googeln, solle prüfen, ob er existiere, was für Qualifikationen er besitze, ob er unabhängig sei oder für eine Partei oder einen Verein spreche. Da wird schon deutlich: Das Programm nimmt es einem nicht ab, sich selbst mit einer Veröffentlichung zu beschäftigen. Im Zweifelsfall ist eine größere eigene Recherche nötig.

Die Meldung von der Islamistendemo kommt allerdings ohne Autor daher. Die Frage, ob er glaubwürdig ist, muss daher unbeantwortet bleiben. Ähnlich schwierig zu beantworten ist die Frage nach der Glaubwürdigkeit der verwendeten Quellen: denn diese werden nicht genannt.

Nachdem man alle Fragen durchgeklickt hat, gibt das Programm seine Bewertung ab. Es erscheinen die Signalfarben Grün, Gelb oder Rot sowie eine kurze Begründung. Die Nachricht von der Terrordemo in Halle bewertet der Algorithmus mit Gelb. Dazu heißt es: "Achtung! Es fehlen wichtige Angaben, weshalb nicht auszuschließen ist, dass es sich um Fake News handelt." Was fehlt, wird nicht erklärt. Das Ergebnis ist also: Es könnte wahr sein – oder auch nicht.