Als die konservative Regierung die Briten dazu aufrief, wählen zu gehen, da ging sie davon aus, dass die Leute schon die richtige Entscheidung fällen würden. Die richtige Entscheidung lautete natürlich: alles beim Alten belassen. Dem Land ging es zwar gut, es herrschte keine Krise, die eine Wahl nötig gemacht hätte. Aber in der Partei brodelte es ein bisschen, und die Tory-Führung, die ihre Ruhe haben wollte, suchte nach einem Ventil. So kam es, dass Premierminister David Cameron im Sommer 2016 ein EU-Referendum abhalten ließ. Das Ergebnis – well.

Es schien wie ein Schock für die Regierung, dass die Menschen die Volksabstimmung tatsächlich ernst genommen hatten und so wählten, wie sie – und nicht David Cameron – es für richtig hielten. Vielleicht hätten die Tories da schon ahnen können, dass man Wahlen nicht ansetzen sollte wie Geburtstagsfeiern, bei denen man nur mit Geschenken rechnet. Doch nun stehen sie wieder ungläubig vor einem Wahlergebnis und sind entsetzt über den Willen des Volkes: keine absolute Mehrheit mehr, stattdessen 13 Plätze im Parlament verloren.

All die selbstbewussten Strategien, die sich die Konservativen für die Zeit nach der Wahl ausgedacht hatten, sind ängstlichen Fragen gewichen: Muss die Premierministerin zurücktreten? Können sich die Tories in der Regierung halten? Werden sie den Brexit durchführen können? All das kann niemand beantworten, am wenigsten jene, die zuvor glaubten, alles zu wissen. Denn es ist nicht nur das Parteibuch, das David Cameron und seine Nachfolgerin Theresa May verbindet. Es ist auch ihre Politik der Arroganz.

Eine Kultur der Selbstherrlichkeit zieht sich durch die politische Elite: Da ist die konservative Regierung, die das Gefühl zu haben scheint, die Demokratie diene ihr und nicht sie der Demokratie. Da ist die Labour-Partei, die ihren Parteichef Jeremy Corbyn seit zwei Jahren bekämpft und sich nun demütig hinter ihn stellt. Da sind die britischen Medien, die wieder alles falsch eingeschätzt haben. Und da ist immer noch Theresa May, die trotz allem meint, 27 anderen europäischen Regierungschefs vorgeben zu können, was für einen Brexit sie denn haben möchte.

Es war Cameron, der Großbritannien mit seiner Referendumswette in die tiefste Krise seit Jahrzehnten stürzte. Doch Theresa May hat das Chaos aus Selbstüberschätzung noch einmal vergrößert.

Von Anfang an hat May ihre eigene Partei ignoriert. Als sie ihr Amt antrat, wollte sie einen neuen Konservatismus erfinden. Einen mitfühlenden, der sich um all jene kümmerte, die sich als Verlierer der Globalisierung empfinden. Stattdessen baute sie den Regierungssitz mit ihren Beratern Fiona Hill und Nick Timothy zu einer Trutzburg um. Es herrschte ein autoritärer Umgangston. In der konservativen Times beschreibt die ehemalige Regierungssprecherin Katie Perrior die Atmosphäre so: "Die beiden Berater waren großartige Straßenkämpfer, aber schlechte politische Führungskräfte. Gegenüber Kabinettsmitgliedern haben sie sich grob, beleidigend und kindisch verhalten. Ich habe nie verstanden, ob Theresa May ihr Verhalten befürwortet, ein Auge zugedrückt oder einfach nicht verstanden hat, wie zerstörerisch das war. Sie verhielten sich erstaunlich respektlos, keiner von ihnen war je in ein Amt gewählt worden."

Die Wähler wurden mit Plattitüden abgespeist. Mays eigentlich gute Idee, den Konservatismus sozialer zu machen, ging im Wahlkampf in der Fülle ihrer Fehler verloren. Doch statt sich für diese Fehler zu entschuldigen, machte sie einfach weiter. Sie hielt es nicht für nötig, ihren Landsleuten zu erklären, wie sie das Land aus der EU zu führen gedenkt. Lieber rief sie: "Brexit heißt Brexit", und später: "Kein Deal ist besser als ein schlechter Deal". Die wichtigsten politischen Fragen seit Jahrzehnten wurden den Wählern in Phrasen beantwortet. Das Ergebnis – well.