Schließlich waren sie nur noch eine Lachnummer. Acht Prozent, so wenig wie noch nie, acht Prozent Ja-Stimmen erhielt ihre Volksinitiative, mit der sie das Schweizer Steuersystem radikal umbauen wollten. Die Grünliberalen waren an ihrem Tiefpunkt.

Das war 2015. Nun, zwei Jahre später, wollen sie einen neuen Anlauf nehmen. Nun, da ihr Parteigründer Martin Bäumle im Sommer abtritt, da in Frankreich ein Präsident regiert, der ihrem Selbstbild so sehr entspricht, wie keiner ihrer eigenen Köpfe es je konnte, sehen sie die Zeit gekommen: für eine Wiedergeburt als Partei der progressiven Schweiz.

La Suisse en marche!

Neu ist dieser Gedanke nicht. Was hatte man die Grünliberalen gelobt, was wurden sie geliebt. Allen voran von Journalisten, die endlich erhielten, wovon sie schon so lange träumten: eine Alternative zu links und rechts, keine Sozis, keine Freisinnigen, etwas liberal, etwas grün. Ja, in diese neue Jekami-Partei, die sich so wenig festlegen konnte und wollte wie ihre Wähler, in diese neue Partei konnten so viele so viel reininterpretieren, dass ihr die Stimmen nur so zuflogen. Die GLP, gegründet vor zehn Jahren, wurden zur großen Siegerin der nationalen Wahlen 2011.

Klar, da war Fukushima, die Reaktorkatastrophe in Japan, die das verschüttete Umweltbewusstsein bürgerlich gesinnter Wähler weckte. Keine Frage, da war der Trend weg von den Polen, hin zur Mitte – auch die BDP, ein SVP-Spin-off, legte vor bald sechs Jahren zu.

Vor allem aber waren die Grünliberalen ein großes Versprechen. Inhaltlich wie formal. Ein Versprechen für eine neue Politik, für neue Köpfe, für ein Ende des Lagerdenkens.

Martin Bäumle war kein Emmanuel Macron "avant la lettre"

Aber es kam anders, ganz anders. Martin Bäumle, der Excel-Politiker aus Dübendorf, war kein Emmanuel Macron avant la lettre. Aus dem grünliberalen Schwung wurde keine Bewegung, die durchmarschierte.

Das ist in der Schweiz und ihrem politischen System sowieso unmöglich. Politik lässt sich hier nicht in Naturkatastrophen-Metaphern beschreiben. Partei-Tsunamis rollen durch Frankreich, landslides verwüsten das politische Großbritannien. In der Schweiz feiern Wahlsieger ein paar zerquetschte Prozentpunkte.