Wir wollen ehrlich sein: Der Magdeburger Hauptbahnhof ist kein schöner Ort. Man war, von Halberstadt und Wernigerode kommend, mit einer Regionalbahn in die Landeshauptstadt eingefahren, auf den Feldern des Vorharzes blühte flammend rot und wild und an manchen Stellen fußballfeldgroß der Mohn, nun aber lief man über Behelfsbahnsteige an großen Baustellen vorbei. Die meisten Gleisbetten waren verschwunden, an ihrer Stelle klafften riesige Löcher. Fast ein wenig Nachwendeflair konnte dabei aufkommen, und wieder einmal stellte man fest, dass man dieses Nachwendeflair eigentlich nie besonders gemocht hatte.

Im Bauch des Bahnhofes dann natürlich wieder die üblichen Läden: Crobag, McDonald’s, asiahung und so. Dass sich dazwischen auch ein kleiner Stand für Halberstädter Würstchen fand, musste einen fast erfreuen, obwohl man freilich nie ein Fan von Bockwurst gewesen war. Wäre es eine gute Idee, um die Stimmung ein wenig aufzuheitern eine Wurst zu kaufen, sich zu den Männern zu stellen und die Wurst an Ort und Stelle mit einem Brötchen und viel Senf auf einem Pappdeckel zu verzehren? Später vielleicht. Erst einmal lieber ins Freie. Vor dem Bahnhof lag der Willy-Brandt-Platz, hinter dem Bahnhof lag der Konrad-Adenauer-Platz. Aha, dachte man. Waren die beiden Politiker je in Magdeburg gewesen?

Da es vorn außer wartenden Taxis und Fahrräder oder Kinderwagen schiebenden Menschen nichts zu sehen gab, lief man auf die andere Seite. Dort saß auf einer langen Bank eine Mutter mit zwei Kindern. Spätestens jetzt musste man einmal zugeben, dass man Magdeburg und Sachsen-Anhalt eigentlich mochte, sogar diesen Dialekt. Das weiche g, das kurze a. Immer wieder war man doch in diesem kargen Landstrich standhaften und ehrlichen Menschen begegnet.

Reinhard Höppner fiel einem ein, der 1994 gegen alle Widerstände der Welt das sogenannte Magdeburger Modell gegründet hatte, eine Minderheitenregierung nämlich, die damals von der PDS geduldet wurde. War es nicht so, dass Magdeburg seine eigenen Helden hatte? Und: War es nicht irgendwie an der Zeit, unsere Plätze nach unseren Helden zu benennen?