DIE ZEIT: Herr Schröder, die Fernsehsender Arte und WDR wollen Ihren Dokumentarfilm über europäischen Antisemitismus nicht ausstrahlen. Die offizielle Erklärung lautet, Sie hätten den Verantwortlichen einen Film angekündigt, der hauptsächlich in Europa spielt. Sie hätten aber einen ganz anderen Film abgegeben. Er spielt zu großen Teilen in den Palästinensergebieten. Warum?

Joachim Schröder: Ein Dokumentarfilm ist ja keine akademische Arbeit. Man gibt dafür zu Beginn kein fertiges Skript, sondern eine Ideenskizze mit erster Recherche ab. Meines Erachtens hat unser Konzept deutlich gemacht, dass der Film vom antizionistisch geprägten Antisemitismus in Europa handelt, der untrennbar mit dem Nahostkonflikt verwoben ist. Die Schwerpunkte waren auf Deutschland und Frankreich gesetzt. Der Haupttenor des europäischen Antisemitismus sind heute antizionistische Ressentiments. Wenn man versuchen will, zu erklären, wie die entstanden sind, muss man sich auf die entsprechende Scholle begeben. Das haben wir getan. Und damit haben wir nicht, wie uns der Sender zu unterstellen versucht, eine Themenverfehlung begangen.

ZEIT: Welche Vorwürfe macht man Ihnen genau?

Schröder: Das kann ich nicht beantworten, weil mit uns und auch der Arte-Beauftragten des WDR Sabine Rollberg keiner spricht. Und zwar seit der Abnahme des Films vor bald sechs Monaten. Man ist kein einziges Mal direkt an uns herangetreten. Man müsste sich doch zusammensetzen, wenn ein Problem besteht. Wir hatten im Januar ein Treffen verabredet, das vom Arte-Programmdirektor Le Diberder abgesagt wurde. Und als klar wurde, dass man nicht mit uns reden will, sondern gemauert wird, habe ich beschlossen, den Film zur Begutachtung an Experten zu geben. Zum Beispiel an Michael Wolffsohn oder Götz Aly. Sechs Expertisen habe ich Arte und dem WDR geschickt. Und keine Reaktion bekommen.

ZEIT: Sie wissen also nichts über die Gründe für die Ablehnung?

Schröder: Es gab nur Gerüchte, wir seien nicht objektiv, nicht neutral, nicht multiperspektivisch, wir würden Öl ins Feuer gießen, das könne man speziell in Frankreich nicht senden.

ZEIT: Sie zeigen das Zusammenleben von Israelis und Palästinensern. So entsteht der Eindruck, Sie wollten beweisen, dass an den Lebensbedingungen der Palästinenser nicht die Juden schuld sind. Funktioniert das, auf diese Weise Ressentiments widerlegen zu wollen?

Schröder: Wenn Sie mir einen anderen Weg nennen, damit umzugehen, gerne. Ich fand es richtig, zu zeigen, dass die Realität eben nicht so ist, wie sie dargestellt wird.

ZEIT: Der schwerwiegendste Vorwurf des WDR gegen Sie lautet, Sie hätten NGOs, denen Sie vorwerfen, antiisraelische Propaganda zu machen, nicht damit konfrontiert.

Schröder: Wir streifen dieses Thema ja nur als Beispiel für die Einmischungen Europas auf israelischem Boden, die antizionistische Ressentiments fördern. Die Zahlen sind korrekt, die Vorwürfe sind korrekt, aber ich habe nicht erwartet, dass diese Organisationen mir etwas Originelles dazu sagen können. Zumal wir ja auf dem Evangelischen Kirchentag gedreht haben, wo uns eine Vertreterin von EAPPI, dem Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel, ihr antizionistisches Ressentiment in die Kamera gesagt hat. Das ist ein Beleg dafür, was in den Köpfen dieser Mitarbeiter vorgeht. Wir haben Tuvia Tenenbom interviewt, der ein ganzes Buch über dieses Thema geschrieben hat. Insofern lasse ich diesen Vorwurf nicht gelten.