In der Filiale von Trader Joe’s im hippen New Yorker Stadtteil Brooklyn zeigt sich der Konkurrenzkampf der Supermärkte von seiner sympathischen Seite. Untergebracht ist der Laden in einem alten Bankgebäude mit Sandsteinmauern, drinnen versprechen bunte, scheinbar handgeschriebene Tafeln "Frisches Gemüse" und "Sandwich-Brot aus ungebleichtem Mehl, ohne Konservierungsstoffe". Die bunt bebilderten Einkaufstaschen haben fast schon Kultstatus. "Amazing", zeigt sich eine Kundin beeindruckt von der Auswahl des Supermarkts, eine andere erklärt, sie "liebe, liebe, liebe" den Laden wegen des freundlichen Personals."

Hinter Trader Joe’s steckt der deutsche Discounter Aldi. Ursprünglich ein Familienbetrieb aus Kalifornien, wurde Trader Joe’s schon in den siebziger Jahren von Theo Albrecht übernommen. Heute sind die 450 Filialen im Besitz von Aldi Nord. Darüber hinaus betreibt Aldi Süd noch 1.600 Filialen unter der Marke Aldi in den USA. Während die Branche kriselt, zählt ausgerechnet ein deutscher Discounter mit knapp zehn Prozent Umsatzplus jährlich zu den am schnellsten wachsenden Supermarktketten in den Vereinigten Staaten. Branchenführer Wal-Mart legte zuletzt nur um zwei Prozent zu.

Nun betritt ein weiterer Angreifer den amerikanischen Markt und bedroht Aldi und dessen hippe Tochter Trader Joe’s – Lidl. In ihrer Heimat sind die beiden Unternehmen schon lange Konkurrenten, an diesem Donnerstag eröffnet Lidl jetzt auch die ersten neun Filialen in den USA.

Noch rätseln Amerikaner, wie man den Namen richtig ausspricht (Lee-Dhul, klärte die Washington Post ihre Leser auf). Aber das will Lidls US-Chef Brendan Proctor rasch ändern. Bis zum nächsten Sommer will er insgesamt 100 Läden an der US-Ostküste eröffnen. Aggressiv sollen auch die Preise sein, Proctor will die Wettbewerber bei manchen Produkten um bis zu 50 Prozent unterbieten. Die Schlacht der Supermärkte geht in die nächste Runde.

Und Lidl ist kampferprobt. In den vergangenen Jahren hat die Kette rund 10.000 Filialen in 27 Ländern etabliert. In Deutschland sind es etwas mehr als 3.000. Die jüngste Offensive in den USA kommt in einer Zeit des extremen Umbruchs im Mutterland der Supermärkte. Oder, wie es die Nachrichtenagentur Reuters meldete: "Lidl steigt in den Krieg der US-Lebensmittelhändler ein." Anfang der Woche kündigte Aldi den Gegenschlag an: In den nächsten fünf Jahren will der Discounter 900 neue Filialen in den USA eröffnen und 3,4 Milliarden Dollar investieren.

Dass das Geschäft in den USA so hart umkämpft ist, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass traditionelle Supermärkte zahlreiche neue Wettbewerber bekommen haben. Der letzte Umbruch dieser Größenordnung erfolgte vor 30 Jahren, als Billiganbieter Wal-Mart erstmals auch Lebensmittel ins Sortiment aufnahm. Inzwischen ist Wal-Mart die Nummer eins der Branche. Ein Viertel der US-Lebensmittelkäufe gehen über Wal-Marts Kassen. Dazu kommen Einkaufsclubs wie Costco mit 88 Millionen Mitgliedern, Drogeriemärkte und in den Metropolen zunehmend Minimärkte, die vor allem Fertiggerichte anbieten. Whole Foods nutzte den Trend zu gesünderer Ernährung und stieg vom lokalen Reformkostgeschäft in Austin, Texas, zum biodynamischen Koloss mit 16 Milliarden Dollar Jahresumsatz auf.