In ihrem vorgerückten Alter dürfte sie längst die Vorhänge im Buckingham-Palast zuziehen und sich majestätisch vor dem Fernseher fläzend die Windsor-Serie The Crown reinziehen. (Diese soll bei den Royals äußerst beliebt sein.) Aber weit gefehlt: Königin Elisabeth ist da, wenn ihr Land sie braucht! Und das braucht sie offenbar gerade sehr: Großbritannien ist in den letzten Wochen schwer gebeutelt worden. Erst der Terroranschlag in Manchester, wo in einem Ariana-Grande-Konzert 23 junge Menschen getötet wurden. Dann der mörderische Anschlag auf der London Bridge. Und schließlich der Schock-Wahlausgang in den ohnehin schon turbulenten Brexit-Zeiten. Premierministerin May setzte ohne Not ihre absolute Mehrheit aufs Spiel und verlor.

Fazit: Seit 1974 war der United Kingdom politisch nicht mehr so instabil, die Gesellschaft derart gespalten. Der Teatime-Stoizismus wäre Geschichte, würde ihn die Grande Dame der Gelassenheit nicht weiter stur verkörpern. Sie besuchte die verletzten Terroropfer und dankte den Pflegern. Noch nobler: Die heimliche Brexit-Gegnerin verbot sich jegliche Schadenfreude über die Niederlage Mays, die den Brexit etwas softer macht. All dieser ihrer Verdienste wegen lud der vierjährige Untertan Shaan Dulay die Queen mit einem Brief zu seinem Geburtstag ein. Darin brachte er seine Bewunderung für die Königin zum Ausdruck: "Mit Ihrem roten Umhang sehen Sie aus wie ein Superheld!" Er stellte der Queen selbst gebackene "Kekse in Pferdeform" in Aussicht und beabsichtigte, mit ihr über Armut, Edelblüter und Politik zu parlieren. Der Junge bekam handschriftliche Post vom Hofe, dass die Queen den Termin leider nicht wahrnehmen könne, man wünschte dem Jungen alles Gute. Die Briten rührte das tief: Die echte Heldin schlägt die Serienheldin halt doch noch um Längen.