Neuerdings spülen mir Algorithmen oft Anzeigen von Firmen wie "Strammer Max" in den Informationsstrom meiner sozialen Netzwerke. Die produzieren Shapewear für Männer, also Stützstrümpfe für überraschend viele Körperteile. Irgendjemand glaubt also, dass ich Kleidung benötige, die aus Homer Simpson einen Superman formt. Das schmerzt.

Aber ich klicke mal. Der Onlineshop bietet Shirts, Hosen und Socken, oft prallvoll mit "Technology" und dem Versprechen von "Performance". Wunder-Shirts können offenbar krumme Wirbelsäulen wieder aufrichten und modellieren den Body. Zwar wird dieser beim Ausziehen sofort wieder demodelliert, aber das ist nicht schlimm, weil den "In zwei Tagen zum Sixpack"-Männermagazinen dann noch ein Verkaufsargument bleibt. Die passenden Socken verheißen – je nach Modell – mehr Leistung "beim Sport" oder "bei langem Sitzen im Office". Dazu verfügen diese Socken über spezielle Bereiche wie eine antibakterielle Zone unten, eine Klimazone oben, eine ringförmige Kompressionszone oberhalb des Fußgelenks und eine Muskelunterstützungszone hinten. Damit die Kräfte an der richtigen Stelle ihre Wunder bewirken. Das ist die Technology.

Nun folgen Sie mir bitte gedanklich in den Waschkeller. Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen so ist, aber wenn ich vier Paar gleiche und neue schwarze Socken in die Waschmaschine stecke, bleiben früher oder später nur noch zwei Socken übrig, die einigermaßen zusammenpassen. Der eine ist dann zwei Nummern eingeschrumpelt, der andere doppelt so weit wie vorher, ein weiterer viel länger. Die übrigen haben sich farblich differenziert, die Nuancen reichen vom ursprünglichen Tiefschwarz bis zu Mittelgrau, und eine Socke ist ganz verschwunden.

Das ist nervig. Aber wenn es bei den Performancesocken auch passiert, wirken die magischen Kräfte bald womöglich an den falschen Stellen. Wie meine Füße dann aussehen, möchte ich mir gar nicht vorstellen.