Trockenes Toilettenpapier, feuchtes Toilettenpapier, Papiertaschentücher, Baby-Pflegetücher – viele Verbraucher sehen da keinen großen Unterschied und werfen sie alle nach Gebrauch in die Toilette. Abwassertechnikern bereitet das Ärger. Seit der Jahrtausendwende wischen die Deutschen zunehmend feucht und spülen mit weniger Wasser.

Die feuchten Tücher sind das größte Problem für die Pumpen in der Kanalisation, denn sie führen zu einer besonderen Verstopfung namens "Verzopfung": Viele Tücher verbinden sich zu einem Knäuel, das sich in der Pumpe festsetzt und sie blockiert. Es wurden sogar "intelligente" Pumpen entwickelt, die den Zopf erkennen und dann rückwärts laufen, um die Blockade zu verhindern.

Herkömmliches Klopapier ist in den 600 Jahren seiner Entwicklung daraufhin optimiert worden, dass es im trockenen Zustand stabil und reißfest ist, sich aber bei Wasserkontakt schnell zersetzt. Seine "Herunterspülbarkeit" (Fachleute sprechen weltläufig von "Flushability") ist groß. Feuchte Tücher hingegen sollen sich nicht beim ersten Kontakt mit Wasser auflösen. Und noch immer werden, vor allem für Babyprodukte, Kunststoff-Fasern verwendet, die sich überhaupt nicht zersetzen.

Inzwischen ist den großen Zulieferern von Hygiene-Spezialfasern der scheinbar unmögliche Kompromiss gelungen: kurzfaserige Feuchttücher zu entwickeln, die fest in der Hand liegen, sich aber im Abwasser binnen einer Stunde zu 95 Prozent mechanisch auflösen. Das haben sie in standardisierten Tests unter Beweis gestellt. Hier soll kein einzelner Hersteller hervorgehoben werden, aber die erste Marke, die Ihnen in den Sinn kommt, verwendet wahrscheinlich bereits diese neuen Fasern.


Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de.

Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio