Wenn wir in der ZEIT und auf ZEIT ONLINE über die Homöopathie schreiben, erreichen uns immer viele Leserbriefe und Kommentare – oft mit der Frage, warum denn nur die Kritiker zu Wort kommen und nicht ihre Anhänger. Als wir vor einigen Tagen eine Mail des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) bekamen, ergriffen wir die Gelegenheit – und sprachen mit der Vorsitzenden, Cornelia Bajic.

DIE ZEIT: Frau Bajic, Sie haben uns zum Gespräch eingeladen, weil der DZVhÄ "auf seine Kritiker zugehen und sich vom Dunstkreis unseriöser Anbieter und selbst ernannter Gurus distanzieren" will, wie Sie schreiben. Warum jetzt?

Cornelia Bajic: In Italien ist vor Kurzem ein Junge nach zweiwöchiger homöopathischer Behandlung an einer Mittelohrentzündung gestorben. Die Eltern lehnten Antibiotika ab. In den USA sind Säuglinge zu Tode gekommen, nachdem ihnen fehlerhaft hergestellte homöopathische Tabletten mit Bestandteilen der Tollkirsche verabreicht wurden. Wir sagen ganz deutlich, dass das keine ordentliche ärztliche Vorgehensweise ist. Davon distanzieren wir uns.

ZEIT: Von welchen Therapeuten konkret?

Bajic: Von solchen, die Heilsversprechen machen. Niemand kann sichere Heilung versprechen.

ZEIT: Der Mann, der den Jungen in Italien falsch behandelt hat, war Arzt. Man kann also nicht sagen, dass es Ärzte immer besser machen als etwa Heilpraktiker.

Fachärztin und Homöopathin: Cornelia Bajic in ihrer Praxis in Remscheid © [M] Julia Unkel für DIE ZEIT

Bajic: Ärzte haben ein wesentlich größeres medizinisches Hintergrundwissen als Heilpraktiker. Und wir homöopathischen Ärzte haben die gleiche schulmedizinische Ausbildung und staatliche Approbation wie jeder andere Arzt auch. Viele von uns haben ein Homöopathie-Diplom, das über die Ausbildung der Ärztekammer hinausgeht, wir machen auch regelmäßig Fortbildungen. Bei den Ärzten gibt es also die größtmögliche Sicherheit, einen seriösen Homöopathen zu finden – auch wenn ein Restrisiko immer bleibt.

ZEIT: Sie sagen, es sei unseriös, Heilsversprechen abzugeben. Auf Ihrer Homepage steht aber folgende Aussage: "Ein sorgfältig ausgewähltes homöopathisches Arzneimittel heilt schnell, sanft, sicher, nebenwirkungsfrei und dauerhaft auch schwere, akute und chronische Erkrankungen, wie Migräne, Neurodermitis, Asthma bronchiale, Colitis, Rheumatismus u.v.a., für die sonst nur Linderung, aber keine Heilung möglich ist. Dies gilt auch für akute Krankheiten bakterieller oder viraler Natur." Das ist ein konkretes Heilsversprechen. Ein Beispiel für das, was Sie gerade als Kennzeichen für unseriöse Anbieter genannt haben.

Bajic: Da haben Sie recht, wahrscheinlich muss ich den Text ändern in "kann heilen". Homöopathie, genau wie Schulmedizin, kann nicht alles. Das muss man mit dem Patienten besprechen.

ZEIT: Sie nennen in Ihrem Text das Beispiel Rheuma. Können Sie einmal skizzieren, wie Sie etwa eine junge Rheuma-Patientin behandeln?

Bajic: In der Regel bin ich für so eine Patientin die zweite oder dritte Station, sie hat meist die Diagnostik schon hinter sich und soll Medikamente nehmen, die oft gut wirken, aber auch schwere Nebenwirkungen haben können. Viele Patienten wollen die Mittel dann nicht nehmen.

ZEIT: Was sagen Sie solchen Patienten?

Bajic: Einige wenige lehnen schulmedizinische Medikamente komplett ab – das muss ich akzeptieren. Man kann dann einen homöopathischen Behandlungsversuch machen. Aber ich wäre in diesem Fall für die Kombination aus Schulmedizin und Homöopathie. Und dann muss man sich den Verlauf ansehen: Manchmal kann man nach einer Weile ein Medikament langsam niedriger dosieren oder sogar ganz weglassen.