Deutschlands Vorzeigemoschee ist fertig. Doch wann wird sie eröffnet? Vor zwei Wochen kamen viele Muslime zu einem ersten Freitagsgebet in den neuen Ditib-Zentralbau in Köln. Er ist ein Meisterwerk der Architekten Selim Mercan und Paul Böhm: offen und lichtdurchflutet, mit einer mächtigen Kuppel aus Beton und schlanken Minaretten. Die moderne Moschee, nur zwei Kilometer Luftlinie vom Kölner Dom entfernt, sollte signalisieren: Die Muslime sind angekommen in diesem Land.

Sind sie es? Köln hat heute zehn Prozent Muslime als Einwohner. Dass der Bau mit jahrelangen Querelen, rechtem Protest, gerichtlichem Streit über Baumängel und Gestaltung einherging – all das könnte man jetzt vergessen. Doch ein Problem bleibt: der türkische Präsident. Seiner Religionsbehörde Diyanet untersteht die Ditib und damit die Moschee. Erdoğan wäre also der naheliegende Festredner. Doch sein Abgrenzungskurs passt nicht zum Neubau. Bekir Alboğa, der Generalsekretär des größten Islamverbandes Ditib, sagt, er wolle "alle einladen, mit uns über den Islam und die Ditib zu reden. Jeder darf hier jederzeit herein, egal, ob er Christ, Jude oder Atheist ist." Begreift Alboğa nicht, dass sich die Ditib als verlängerter Arm der türkischen Regierung bereits ins Abseits manövriert hat?

Nach dem Putsch in der Türkei hatte Ankara die Ditib-Imame in Deutschland aufgefordert, muslimische Religionslehrer auszuspähen. Als das aufflog,kam heraus, dass auch Imame aus dem Großraum Köln sich als Spitzel betätigt hatten. Dazu der Krach um Auftritte türkischer Minister vor dem Referendum: In der Domstadt versuchten sie Räume für "private Veranstaltungen" zu mieten. Deshalb wäre Erdoğan derzeit der falscheste Festredner für die Moschee. Bisher gibt es keinen Eröffnungstermin für den Prachtbau im hippen Stadtteil Ehrenfeld. Der war einst ein klassischer Arbeiterbezirk und ist heute so multikulti, dass eine Moschee sein Wahrzeichen werden könnte: gegen den deutschen Rechtspopulismus mit bürgerlichem Anstrich, der in Pro NRW seine Keimzelle hatte; gegen den NSU, der in Köln ein Nagelbomben-Attentat beging.

Die Stadt hat 100.000 türkische Migranten. Radikalislamische Prediger gibt es aber kaum, die nächste Hochburg in NRW ist Bonn. Trotzdem plant die kommende schwarz-gelbe Landesregierung in Düsseldorf die Auflösung des Dialogforums Islam und will die Kooperation mit der Ditib beenden. Zumal der Islamverband am vergangenen Samstag die Tür zum Dialog krachend zuschlug: Er boykottierte die Demonstration unabhängiger Muslime gegen den IS-Terror. Die Ditib hatte erst zugesagt, sagte dann wieder ab, wohl auf Anweisung aus der Türkei. Nur 1.000 Muslime zogen durch die Innenstadt. Die Demo wirkte schlechter organisiert als eine türkische Hochzeit. Das Motto "Nicht mit uns!" bekam eine ungewollt komische Bedeutung. Offenbar gibt es keinen unabhängigen Islam in Deutschland.

Dabei sind die Kölner sonst umzugsfreudig, auch wenn es gegen die AfD oder gegen Gewalt geht: "Arsch huh, Zäng ussenander!" Aber wenn Erdoğan in die Moschee käme? Nach dem Türkei-Putsch im Juli 2016 demonstrierten am Kölner Rhein-Ufer 40.000 Menschen für den Präsidenten. Die Ditib machte es wie die IG Metall: Dutzende Busse, Tausende Fähnchen, lautstarke Hymnen. Nun müssen die Muslime aufpassen, dass ihre schöne Moschee nicht zum Zankapfel wird. Der Schriftsteller Günter Wallraff sollte seine Idee, im Neubau aus Salman Rushdies Satanischen Versen zu lesen, lieber erst mal vergessen.