Der Sinn von Benimmregeln ist es ja, das Zusammenleben der Menschen zivilisierter und damit auch sicherer zu machen. Wer wie im Wilden Westen in Angst lebt, dass das Gegenüber gleich zur Waffe greift, der dürfte welche Regel vorziehen? Genau: Hände auf den Tisch! Deshalb ist die Cowboy-Erklärung für das Phänomen, dass US-Bürger beim Essen häufig die Hand auf ihrem Schoß ablegen, unplausibel.

Nein, diese Gewohnheit ist eng verbunden mit einer anderen US-Essmanier, die von der Benimm-Expertin Emily Post die Zickzack-Methode genannt wurde. Man hält zunächst Messer und Gabel wie ein Europäer, also Gabel links und Messer rechts. Nachdem man ein Stück vom Essen abgeschnitten hat, legt man das Messer ab, die Gabel wandert in die rechte Hand und schiebt das Essen in den Mund. Dann wandert sie wieder nach links, und so weiter. Viele schneiden aber auch ihr Essen komplett in mundgerechte Happen, als wollten sie ein Kleinkind füttern. Dann hat die linke Hand für den Rest der Mahlzeit nichts zu tun – und wandert unter den Tisch.

Bevor wir jetzt mit der Arroganz der Alten Welt darauf herabschauen: Die Zickzack-Methode ist europäischen Ursprungs. Im frühen 18. Jahrhundert, berichtet Darra Goldstein vom Williams College, kam die Sitte in Frankreich auf, die Amerikaner zogen nach. Dass die Europäer dann um 1850 umschwenkten, hat man wohl in den USA noch nicht mitbekommen.

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