Der Amerikaner koreanischer Eltern, der zum G20-Treffen nach Hamburg kommt, ist seit 2012 der 12. Präsident der Weltbank. Er ist ein Multitalent: Arzt, war 17 Jahre lang Professor an der Harvard Medical School und Begründer der "Partners in Health", die Hunderttausende in Haiti und Peru versorgt haben. Seine akademische Karriere krönte er als Präsident der renommierten Dartmouth-Universität. Obama schlug Kim 2012 für die Präsidentschaft der Weltbank vor (die traditionell an einen Amerikaner geht). Es waren turbulente Jahre, in denen Kim die Institution modernisierte und viel Widerstand provozierte. 2016 wurde er dennoch wiedergewählt. Josef Joffe sprach mit ihm in Berlin.

DIE ZEIT: Dr. Kim, auf dem G20-Gipfel werden Sie von 20.000 Polizisten bewacht. Viel Aufwand für einen Gipfel, bei dem das Kommuniqué im Entwurf schon steht. Wäre Skype nicht billiger?

Jim Yong Kim: Ich habe seit fünf Jahren verschiedene G20-Treffen besucht. Da wurde mir bewusst, wie wichtig menschliche Kontakte sind.

ZEIT: Ein riesiger Auftrieb. Haben Sie die Namen aller 20 Regierungschefs parat?

Kim: Na klar. Wollen Sie die hören? Die wichtigsten Momente sind doch die spontanen Begegnungen, beim Kaffee zum Beispiel.

ZEIT: Eine Art Kaffeeklatsch?

Kim: Nein. Aber das kleinere Format von G20 oder G7 ist viel handlicher als die UN-Generalversammlung mit knapp 200 Teilnehmern. Ein Beispiel: 2013 änderte Tokio seine Geldpolitik, und schon lag das Wort "Währungskrieg" in der Luft. Der Zentralbankchef erklärte uns die neue Politik, worauf wir beschlossen, das Wort peinlichst zu vermeiden. Andernfalls wäre der Währungskrieg in der Tat ausgebrochen. Wir haben das Richtige im richtigen Moment entschieden.

ZEIT: Auf dem G20 werden sicherlich die Handelsüberschüsse der Deutschen hochkommen. Was sollen die eigentlich tun? Teurere oder schlechtere BMW bauen?

Kim: Die Position der Weltbank war immer sehr klar. Wir stehen für ein offenes und freies Handelssystem, das gerade den ärmsten Ländern am meisten geholfen hat.

ZEIT: Offene Märkte sind unverzichtbar für die Entwicklungsländer?

Kim: Absolut.

ZEIT: Leider wächst der Protektionismus. Wie können wir Mr. Trump überzeugen, Amerikas Freihandelstradition zu bewahren?

Kim: Wir kümmern uns um die Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen und erteilen den Reichen keine Ratschläge. Aber wir veröffentlichen andauernd wissenschaftliche Studien über die Vorteile des Freihandels. Diese erhalten auch Amerikas Vertreter bei der Weltbank.

ZEIT: Die Hauptaufgabe der Weltbank ist Entwicklungshilfe.

Kim: Deshalb freue ich mich über die "Hamburger Prinzipien", die wir wohl auf diesem G20 verabschieden werden. Ganz knapp: Die offizielle Entwicklungshilfe kann das Problem nicht lösen, dafür fehlt einfach das Geld. Privatkapital muss her. Der Schlüssel ist ein funktionierendes Finanzsystem.